Wirtschaft : Analysten setzten auf Airline-Aktien

NEW YORK (nks/HB).Die Tickets sind teuer und die Flugzeuge oft bis auf den letzten Platz gefüllt.Vielflieger können sich etwas Schöneres vorstellen - die Aktionäre amerikanischer Fluggesellschaft nicht.Doch am Aktienmarkt macht die tolle Branchenkonjunktur keinen Eindruck.Statt auf dem Weg in den Keller aus der Reihe zu tanzen, sackten die Kurse der Airlines seit Juli um über 20 Prozent ab - stärker als der Durchschnitt des Marktes.Selbst die Ankündigung vom Rückkauf eigener Aktien blieb wirkungslos.

Die Aussichten sind dabei keineswegs trübe.Denn viele Fluggesellschaften melden eine hohe Auslastung ihrer Kapazität.Bei Continental, dem fünftgrößten US-Flieger, waren im August 78,1 Prozent der Sitze besetzt - soviel wie nie zuvor.Analyst Kevin Murphy von der Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter rechnet dieses Jahr denn auch mit Rekorden bei Verkehrsaufkommen und Gewinn.Die Preise für Flugtiêkets seien hoch, die Preise für Treibstoff niedrig."Es scheint sich am Markt die Stimmung durchzusetzen, daß die Umstände nicht mehr besser werden können und es von nun an nur noch bergab gehen kann", meint Murphy.Dabei scheine der Markt zu übersehen, daß die Zinsen immer noch niedrig sind.Traditionell gehe der Aufwärtszyklus bei Fluggesellschaften erst zu Ende, wenn die Zinsen stiegen und Gewinne enttäuschten.Beides sei nicht der Fall.Murphy wartet nun darauf, daß sich der stark schwankende Aktienmarkt beruhigt.

Auf dem derzeitig niedrigen Kursniveau fallen Murphy nicht viele Fluggesellschaften ein, die er nicht kaufen würde.Seine Favoriten heißen American Airlines und Continental.Bei American rechnet er mit zusätzlichen Umsatz von über 200 Mill.Dollar aufgrund eines neuen Reservierungssystems.Darüber hinaus könnte die geplante Allianz mit dem Konkurrenten US Airways und British Airways die Gewinne steigern.Bei Continental bewertet er die geplante Allianz mit Northwest positiv.

Brian Harris vom Investmenthaus Salomon Smith Barney meint, daß die großen Airlines, insbesondere die Marktführer United, American und Delta, mangels ausreichender Kapazitäten die Nachfrage überhaupt nicht befriedigen konnten.Für das nächste Jahr rechnet Harris nun mit einem Anstieg der Kapazität um 5 Prozent.Allerdings erwartet er ab 2000 ein Ende des Aufwärtstrends.Harris empfiehlt Fluggesellschaften zum Kauf, die in den von ihnen dominierten Verkehrsknotenpunkten noch am meisten Wachstumspotential haben.Seit mehreren Jahren nämlich teilen sich die Airlines die lokalen Märkte untereinander auf.Das beeinträchtigte den Wettbewerb und führte zu steigenden Preisen.Zum Kauf empfiehlt der Analyst Delta, die von ihrer steigenden Sitzkapazität profitieren dürften.Continental habe das beste Wachstumspotential in ihren regionalen Drehkreuzen.Weiter empfiehlt er United Airlines.Das überdurchschnittliches Wachstumspotential in regionalen Märkten helfe der weltgrößte Airline, die Krise in Asien zu meistern.

Die Asienkrise trifft die US-Airlines nicht ganz so stark wie die in Europa.US-Flieger haben im vergangenen Jahren durchschnittlich nur 10 Prozent ihres Umsatzes in Asien gemacht, meint Analyst Glenn Engel vom Investmenthaus Goldman Sachs.Die Euro-Airlines waren im Durchschnitt mit 15 bis 21 Prozent in der Region engagiert.Allerdings seien Northwest (Umsatzanteil: 27 Prozent) und United Airlines (20 Prozent) besonders stark auf den Asienrouten vertreten.Als einen Grund für den Umsatzzuwachs nennt Engels die Deregulierung in USA und Europa, die zu zahlreichen Allianzen zwischen großen internationalen Airlines geführt habe.Die Top-Empfehlung von Engel ist Delta.Die Gesellschaft sei zu 80 Prozent im US-Markt, zu 15 Prozent in Europa und nur minimal in den krisengeschüttelten aufstrebenden Märkten engagiert.Engel rechnet mit einem um 10 bis 15 Prozent steigenden Gewinn in diesem Jahr.

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