Wirtschaft : Analysten trauen der Aktienhausse nicht Auf kürzere Sicht sind

Rückschläge nicht auszuschließen

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Frankfurt / New York (ina/HB/pf). Mit einer beeindruckenden Hausse machten die internationalen Börsen in den vergangenen Monaten den Aktionären Hoffnung. Vielen Analysten zufolge stehen die Zeichen für ein weiteres Anziehen der Kurse mittelfristig zwar gut. Auf kürzere Sicht aber dürften die Kurse, die ihrer Meinung nach der erwarteten globalen Konjunkturerholung vorausgelaufen sind, anfällig für Rückschläge sein.

Laut Berechnungen des Datenanbieters Morgan Stanley Capital International gewann der MSCIWeltaktienindex im zweiten Quartal rund 17 Prozent. Das ist das beste Ergebnis seit dem Jahresschlussquartal 1998 und damit seit viereinhalb Jahren. Der Dow Jones Stoxx 50 wuchs, ebenso wie der S&P 500, um 16 Prozent. Zwar waren auch die Anleger an der Wall-Street in der vergangenen Woche zunächst enttäuscht, dass die US–Notenbank ihren Leitzins nur um 0,25 Prozentpunkte senkte. Dennoch hat die Fed Wasser auf die Mühlen der Bullen geleitet. Denn die auf Geldmarktkonten geparkten Milliardensummen bringen bei einem Prozent Zinsen vor Steuern fast nichts mehr. Deshalb, so die Theorie, schauen die Investoren zunehmend auf den Aktienmarkt.

Im Europauniversum schnitt der Deutsche Aktienindex Dax mit einem fulminanten Plus von 34 Prozent am besten ab. Träger dieses Aufschwunges waren insbesondere Versicherungs- und Bankenwerte wie Allianz, Münchener Rück und Hypo-Vereinsbank. Doch die Beobachter warnen: „Die Wirtschaft ist nicht so gut vorangekommen wie der Kursaufschwung es suggeriert", sagt beispielsweise Franklin Morton vom Asset-Manager Ariel Capital Management in Chicago. Laut DZ Bank hatten die Aktienbörsen von der Fed „allerdings mehr erwartet und eine Leitzinssenkung längst vorweg genommen". Deshalb ergebe sich „für die kommenden Wochen nun weiteres Konsolidierungspotenzial". Kurzfristig orientierte Anleger sollten nach Ansicht des Hauses Gewinne mitnehmen. Mittelfristig jedoch erwarte man wegen der sich bessernden Konjunktur- und Unternehmensdaten ein freundliches Aktienmarktumfeld.

Viele Marktbeobachter sehen jetzt keine Möglichkeiten für eine Stimulierung durch Zinssenkungen mehr. Das historisch niedrige Niveau von einem Prozent lasse „kaum Spielraum für weitere Senkungen“, sagt beispielsweise die Commerzbank. Von nun an würden hauptsächlich Firmendaten und volkswirtschaftliche Zahlen das Börsengeschehen bestimmen. Hier habe es mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex für Juni eine angenehme Überraschung gegeben, die ein absehbares Ende der hartnäckigen Stagnation signalisiere, wenn auch noch keinen konjunkturellen Aufschwung.

Auch an der Wall Street richtet man sein Hauptaugenmerk nun auf die Gewinnentwicklung bei den Unternehmen, zumal die Frühjahrsrallye das Kurs-/Gewinn–Verhältnis auf das Neunzehnfache des für 2003 erwarteten Gewinns gesteigert hat. Den Strategen der Deutschen Bank ist „unbehaglich“ zumute, „weil der Aktienmarkt von einer Erholung der Unternehmensgewinne in einer Größenordnung wie Anfang der neunziger Jahre in den USA ausgeht".

Die zweite Jahreshälfte, auf der die positiven Gewinnerwartungen basieren, beginnt am Dienstag. Die Stunde der Wahrheit rückt also näher.

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