Wirtschaft : Analysten trauen Siemens viel zu

Deutlicher Gewinnanstieg und höhere Dividende erwartet

MÜNCHEN (rtr).Wenn Siemens am Mittwoch die ersten Kennzahlen für das Geschäftsjahr 1996/97 (zum 30.September) nennt, erwarten Analysten keine großen Überraschungen.Wie die meisten seiner Kollegen rechnet Jürgen Hackenberg von der Deutschen Morgan Grenfell damit, daß der Konzern entsprechend den eigenen Prognosen einen Gewinn etwa auf Vorjahresniveau ausweisen wird.Plus/minus fünf Prozent gegenüber Vorjahr, so veranschlagt Hypo-Bank-Analyst Roland Pitz die Schwankungsbreite.Im neuen Geschäftsjahr allerdings rechnen alle Experten mit einem deutlichen Gewinnanstieg. Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte erst vor Kurzem erklärt, der Konzern habe im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals über 100 (Vorjahr 94,2) Mrd.DM umgesetzt.Der Gewinn dürfte laut Finanzchef Karl-Hermann Baumann kaum die 2,5 Mrd.DM des Vorjahres übersteigen. Pitz sieht denn auch nur einen kleinen Anstieg beim Ergebnis je Aktie 1996/97 auf 4,55 (4,48) DM.Entsprechend dürfte die Dividende nach Einschätzung der Analysten bei 1,50 DM bleiben.Für die nächsten Jahre aber liegt die Meßlatte der Marktexperten für Siemens erheblich höher. Hackenberg schätzt den Gewinn je Aktie im laufenden Geschäftjahr auf rund 5,40 DM, Pitz auf 5,44 DM.Die WestLB hat sogar jüngst ihre Gewinnschätzung angesichts der jüngsten Wechselkursänderungen auf 5,80 DM heraufgesetzt.Hackenberg und die WestLB rechnen daher für 1997/98 mit einer Dividendenerhöhung.Pitz ist etwas vorsichtiger, doch spätestens 1998/99 erwartet auch er mehr Dividende. Den Siemens-Gewinn dürften nach Experteneinschätzung 1997/98 gleich mehrere Faktoren nach oben treiben.Zum einen werden die für Siemens günstigen Veränderungen der Wechselkurse genannt.Neben dem ordentlichen Ergebnis erwartet Haêkenberg zudem Sondererträge in dreistelliger Millionenhöhe aus Siemens-Verkäufen, wie die Veräußerung der Verteidigungselektronik und der Dentaltechnik, für die allein ein guter dreistelliger Millionenbetrag erlöst wurde.Schließlich sollten sich die hohen Siemens-Aufwendungen für Strukturverbesserungen endlich in einer Ergebnissteigerung niederschlagen. Für die Perspektiven des Konzerns und seine Bewertung an den Börsen wird aber entscheidend sein, wie groß die Verbesserungen im operative Geschäft ausfallen, sagt Pitz.Grundsätzlich beurteilen die Experten das Kurspotential der Siemens-Aktie günstig.Die meisten stufen die Aktie als überdurchschnittlich ein.Dem Anleger wird empfohlen, die Siemens-Papiere im Aktien-Portefeuille überzugewichten. Das gilt, obwohl die Analysten im Konzern noch schwache Punkte sehen.So heißt es zur Computertochter SNI, die müsse sich trotz eines erwarteten Jahresgewinns von über 100 Mill.DM 1996/97 noch steigern."Da ist noch einiges zu tun", sagt ein Analyst.Auch bei der Verkehrstechnik gebe es noch Handlungsbedarf.Doch gleichzeitig glauben die Analysten, daß der Konzern auch dieses Sorgenkind wieder auf Erfolgskurs bringen wird. In einem waren sich die Analysten aber schon im Sommer einig.Von dem Konzern ist in den kommenden Jahren viel zu erwarten.Finanzchef Karl-Hermann Baumann hat eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent in den kommenden drei bis fünf Jahren als Ziel gesetzt.Und Baumann gilt bei den Analysten als einer, der seinen Mund nicht zu voll nimmt.Die Produktivität im Inland soll deutlich wachsen, neue Stellen aber vor allem im Ausland entstehen.Als Wachstumsmärkte hat der Konzern vor allem Asien und die USA im Visier.Im Inland lahmt hingegen das Geschäft noch etwas.

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