Wirtschaft : Analysten und Anleger sind sich uneins über Softwareproduzenten SER

Sebastian Blohm

Mit ihrem Auftritt auf der Cebit-Messe zeigte SER Systeme anschaulich, was Dokumenten-Management-Systeme (DMS) so alles leisten können: Deren Software "Brainware" erkannte zehn verschiedene Schriftsteller allein am Inhalt ihrer Schriftproben. Und das Erstaunliche: Das Programm wurde von Mal zu Mal besser - es lernte. Kein Wunder also, dass Analysten beim Stichwort DMS schnell ins Schwärmen kommen. Mit diesen Systemen können sowohl Unternehmen als auch Verbraucher sämtliche Informationsträger einheitlich, intelligent und bequem verwalten. Zettelwirtschaft, Faxpapierstau und große Ordnerwände gehören endgültig der Vergangenheit an. Tobias Kremer von der BHF-Bank: "Diese Produkte sind einfach beeindruckend."

Nur die Anleger scheinen sich von diesem Enthusiasmus nicht anstecken zu lassen. Im Gegenteil: Der Kurs von SER ist von rund 54 Euro Ende März auf fast 35 Euro gesunken. Und auch die Mitstreiter mussten Federn lassen: Easy Software büßte im selben Zeitraum circa zehn Prozent ein, die bayerische Ixos Sofware sogar knapp 80 Prozent, und der Kursverlauf der CE Computer Equipment SVG gleicht einer Achterbahnfahrt.

Wie ist es nun um die DMS-Unternehmen bestellt? Lohnt sich die Investition? Für die Analysten wirken die Ursachen für die Kurseinbrüche nur kurzfristig: einige schlechte, aber für die Branche typische Quartalszahlen, negative Schlagzeilen um Ixos, sowie die Nachwehen des Jahr-2000-Problems. BHF-Analyst Tobias Kremer bezeichnet die aktuellen Kurse deshalb auch als "ungerechtfertigt". Er empfiehlt SER mit einem Kursziel von 94 Euro zum Kauf auf Jahresfrist. Ebenso Easy Software, Kursziel: 63 Euro (aktuell: 50 Euro). Ixos stuft er auf Halten ein. Letztere waren nach zwei Gewinnwarnungen, stillschweigenden Verkäufen seitens der Großaktionäre und dem darauf einsetzenden Kurseinbruch in die Schlagzeilen geraten. Das hat sich laut Kremer negativ auf die gesamte Branche abgefärbt. "Der Vertrauensverlust ist riesig, der Markt vergiftet", sagt er. Zudem habe Ixos Marketing- und Vertriebsprobleme, an denen aber gearbeitet werde. Die Produkte selber seien einwandfrei. Ähnlich argumentiert auch Philipp Gelber vom Bankhaus Julius Bär. Auch wenn im nächsten halben Jahr kein Geld mit Ixos zu verdienen sei, hält er den Wert für "fundamental unterbewertet". Fazit: Halten. Positiv äußern sich zur DMS-Branche auch die Experten von Sal. Oppenheim.

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