Wirtschaft : Analysten von VW bleiben vorsichtig

HAMBURG (rtr).Die starke Gewinnsteigerung beim VW-Konzern hat bei Branchenkennern ein geteiltes Echo ausgelöst.VW steigerte - wie berichtet - den Gewinn von Januar bis Juni nach eigenen Angaben um 70 Prozent auf 831 Mill.DM.Der Umsatz nahm um 17 Prozent auf 66 Mrd.DM zu.

Die Analystin Claudia Erdmann von der Hamburgischen Landesbank sagte, zwar wirke die Gewinnsteigerung auf den ersten Blick gut."Skeptisch" sei sie aber wegen der stärker gestiegenen Herstellungskosten.Björn Kirchner von der Bank BNP sprach hingegen von einem "bombigen Ergebnis", wenn man belastende Sondereffekte herausrechne.Für eine Einschätzung der Konzernentwicklung müsse man tief in das Zahlenwerk hineinblicken.Mit dem Aufstocken der Rückstellungen um 700 Mill.DM sei Volkswagen erneut "übervorsichtig" gewesen.Zudem sei das System der Abschreibungen gegenüber dem Vorjahr verändert worden.Lasse man diese Sondereffekte außer acht, stehe VW aber sehr gut da.

Kirchner empfiehlt die VW-Akte weiterhin als Wert mit überdurchschnittlichem Zuwachs und rechnet bis zum Jahresende mit einem Kurs von 200 DM.Thomas Aney von der Bayerischen Hypothekenbank rechnet ebenfalls innerhalb eines Jahres mit dem Durchbrechen dieser Marke.Nach Vorlage der Halbjahreszahlen gewann das VW-Papier bis Mittwoch nachmittag am Frankfurter Aktienmarkt sieben auf 173 DM.

Nur geringe Folgen für die VW-Bilanz dürfte nach Einschätzung der Branchenbeobachter die Einigung mit dem Konkurrenten BMW um die Namensrechte an Rolls-Royce haben.Das Festhalten an der Marke Bentley sei für die Wolfsburger besser als an der Marke Rolls-Royce, sagte die Analystin Erdmann.Obwohl der Kauf des britischen Luxuswagen-Herstellers "eine übereilte Entscheidung" gewesen sei, werde das Projekt finanziell für VW kein Problem.Auch BNP-Analyst Kirchner sieht kaum Auswirkungen auf das VW-Geschäft.Er verweist auf den im Vergleich zum Mutterkonzern nur geringen Jahresumsatz von Rolls-Royce und Bentley von rund 1,3 Mrd.DM.

Nach der Einigung zu Rolls-Royce interessieren sich die Beobachter nun für das weitere Vorgehen von VW bei den Nutzfahrzeugen.Konzernchef Ferdinand Piëch will erklärtermaßen das Sortiment um diesen Bereich erweitern und hatte sich unter anderem am schwedischen Hersteller Scania interessiert gezeigt."VW wird bei den Nutzfahrzeugen bald zuschlagen", schätzt Kirchner.Dies werde auf den Aktienkurs erhebliche Auswirkungen haben, prognostiziert seine Kollegin Claudia Erdmann.

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