Wirtschaft : Analysten zweifeln an Ackermann

Deutsche Bank braucht keine Hilfe – noch nicht

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Berlin - Das Selbstbewusstsein der Deutschen Bank, die nach den Worten ihres Vorstandschefs Josef Ackermann keine Staatshilfe in Anspruch nehmen will, stößt bei Analysten auf Skepsis. Die Experten des US-Wettbewerbers Citigroup empfahlen Anlegern am Montag, Deutsche-Bank-Aktien zu verkaufen. Zur Begründung verwiesen sie auf die vergleichsweise niedrige Kernkapitalquote des deutschen Marktführers. Die Kennziffer, die den Anteil des durch Eigenmittel gedeckten Kreditvolumens angibt, sei bei Wettbewerbern höher und liege international zwischen zehn und 21 Prozent. Ackermann hatte gesagt, die Deutsche Bank habe vor fünf Jahren eine kleine Kapitalquote von fünf Prozent gehabt, inzwischen seien es mehr als zehn Prozent.

Die Citigroup räumt zwar ein, dass die Deutsche Bank mit ihren in der vergangenen Woche veröffentlichten Quartalszahlen ein solides Zwischenergebnis vorgelegt habe. Der Ausblick sei aber wenig rosig gewesen. Die Analysten erwarten Einschnitte bei der Dividende oder eine Kapitalerhöhung. Ackermann hatte gesagt, Banken mit einer guten Kapitalquote sollten keine Hilfe bekommen und „es auch allein versuchen“.

„Die Deutsche Bank ist bei der Kernkapitalquote schon da, wo die Commerzbank jetzt erst hinkommt“, sagte hingegen Bankenanalyst Konrad Becker von Merck Finck. Dennoch könnte auch die Deutsche Bank früher oder später gezwungen sein, Staatshilfen in Anspruch zu nehmen. „Wenn der Bank Geschäft verloren geht, weil sie als Einzige kein Kapital bekommen hat, dann wird sie sich das Ganze noch mal überlegen“, sagte Becker. „Im Moment nimmt die Deutsche Bank nichts. Das kann in sechs Monaten anders sein.“ An der deutschen Börse kam Ackermanns Nein indes am Montag gut an. Die Deutsche-Bank-Aktie stieg am Vormittag um rund 7,9 Prozent auf 31,75 Euro. Am Abend schloss sie bei 31,20 Euro (plus sechs Prozent).

In der amerikanischen Bankenbranche hat nach erstem Zögern laut US-Medien ein regelrechter Ansturm auf Hilfen aus dem staatlichen Rettungspaket eingesetzt. Rund 1800 börsennotierte Finanzhäuser wollten womöglich Finanzspritzen des Staates beantragen, berichtete das „Wall Street Journal“ am Montag unter Berufung auf Vertreter des Finanzministeriums und der Bankenaufsicht. mot/stek

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