Wirtschaft : Anbindung könnte möglicherweise schon im nächsten Jahr kommen

gja/abo

Eine Teilfusion der Finanzriesen Deutsche Bank und Dresdner Bank beim Massenkundengeschäft wird immer wahrscheinlicher: Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte am Mittwoch Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach die beiden Häuser miteinander verhandeln. Eine Anbindung könne möglicherweise bereits im nächsten Jahr erfolgen, meldete das Blatt unter Berufung auf Aussagen von Bankchef Rolf Breuer am Rande der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington.

Ein Zusammenschluss des Mengengeschäftes von Deutscher und Dresdner Bank würde dem Bericht zufolge auf der Basis gleichberechtigter Partner erfolgen. Über eine Zusammenlegung ihres kostenaufwendigen Massenkundengeschäftes hatten die beiden Geldhäuser bereits in den vergangenen Wochen verhandelt. Die Deutsche Bank hatte ihre entsprechende Sparte mit 6,8 Millionen Kunden zum Monatsbeginn in Deutsche Bank 24 umgetauft und angegeben, sie peile insgesamt rund 16 Millionen Kunden an. Die Dresdner zählt rund sechs Millionen Kunden.

Zudem hat die Deutsche Bank AG offenbar auf der Suche nach strategischen Partnern in Europa ein Auge auf die französische Société Générale S.A. (SG) geworfen. Wie es in dem Zeitungsartikel weiter heißt, habe Breuer Interesse an einer Zusammenarbeit mit der SG. Zueinander passen würden beide Häuser im Investmentbanking, wegen ihrer unterschiedlichen Produktpaletten jedoch nicht im Privatkundengeschäft.

Bei der Deutschen Bank hieß es am Mittwoch, der Bericht beruhe auf "allgemeinen Überlegungen" Breuers über "theoretische Möglichkeiten der Bankenkonsolidierung in Europa ohne aktuellen Bezug". Zuvor hatte die französische Großbank bereits mitgeteilt, von einem Vorstoß der Deutschen Bank mit dem Ziel einer Zusammenarbeit wisse man nichts. "Wir sind über diesen Vorschlag nicht informiert", erklärte ein Sprecher.

In dem Bericht heißt es, Breuer habe bereits telefonisch mit seinem Kollegen Daniel Bouton von SG Kontakt aufgenommen. Zudem wird auch ein Treffen mit dem SG-Chef angedeutet. Der SG-Sprecher verneinte ausdrücklich, dass es eine Zusammenkunft in Paris gegeben habe. Allerdings weilten Bouton und Breuer anlässlich der IWF-Tagung in Washington, so dass ein Treffen dort nicht auszuschließen ist. Die französische Großbank hat sich nach dem Scheitern ihres Zusammenschlusses mit Banque Paribas und dem missglückten Übernahmeversuch des Wettbewerbers BNP von der Idee verabschiedet, in Frankreich eine größere Partnerschaft einzugehen. Nach dem Ende der Bankenschlacht hatte Bouton erklärt, man werde nun auf die Suche nach Partnern in Europa gehen. Die Deutsche Bank ihrerseits hatte bereits früher angedeutet, dass ihre Europa-Strategie eher auf Partnerschaften denn auf Fusionen und Übernahmen zielt. Frankreich hatte sie im Privatkundengeschäft als "weißen Fleck" bezeichnet, der "sukzessive ausgemalt" werden sollte. Dabei hat die Bank vor allem vermögende Kunden im Auge.

Analysten erklärten nun, eine Kooperation mit SG, die in Frankreich im Investmentbanking und Asset Management gut positioniert sei, könnte aus Sicht der Deutschen sinnvoll sein. Vielleicht habe Breuer einen Stein ins Wasser werfen und die Reaktion testen wollen.

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