Wirtschaft : Andreas Kosina: Klug und kühn, aber der Dumme

Andreas Kosina ist Daytrader,Trading-Coach.<p>

Freitag für Freitag schreiben auf dieser Seite unsere Kolumnisten über ihr Leben mit den Kursen. Nächste Woche: unser Outsider. Er hat keine Aktien im Spiel, erklärt aber, warum es auch für ihn kein Entkommen gibt. Als kluger und kühner Aktieninvestor schauen wir nach vorne, (und hoffen) das wird schon wieder. Würden wir aber die vergangenen Monate Revue passieren lassen, würde uns auffallen, dass wir mit alten verkrusteten Anlageentscheidungen nicht mehr so richtig weiterkommen. Hier einmal einige Zahlen: Der Dax-Punktestand Ende April circa 7500 Punkte, Mitte Mai 6850 Punkte, Ende Mai 7400 Punkte, Ende Juni 6900 Punkte, Anfang Juli 7400 Punkte. Dass heißt also, erst fällt der Markt um 650 Punkte, dann steigt er wieder um circa 550 Punkte dann fällt er wieder um 500 Punkte, dann steigt er wieder um 500 Punkte. Wir sahen eine Preisbewegung, wie ich es Ihnen in meinen letzten Kolumnen versprochen habe, rauf und runter, eine Gesamtbewegung um circa 2200 Punkte. Insgesamt ist der Markt seit Ende April um eigentlich nur schlappe 100 Punkte gefallen.

Welchen Vorteil hat also ein Tages- beziehungsweise Kurzfristtrader, der auf fallende oder steigende Kurse spekuliert? 2200 Punkte schwankte der Dax in circa vier Monaten. Ein Punkt im Dax bedeutet 25 Euro Gewinn oder Verlust. Hätte man die Preisschwankung immer positiv ausgenutzt, wäre eine Chance dagewesen, mit einem Kapitaleinsatz von 30 000 Mark rund 100 000 Mark Gewinn zu machen. Ein Langfristtrader beziehungsweise -investor hätte, wenn er nicht mit Herzflattern in Tiefständen verkauft hat, circa 100 Punkte, also 100 x 25 Euro, somit circa 5000 Mark Verlust in Konto. Zu berücksichtigen ist hier aber auch noch, dass dieser Investor 350 000 Mark Kapital dafür einsetzen musste.

Seit meiner letzten Kolumne war ich wieder verstärkt auf Schulungsveranstaltungen in Deutschland. Ich habe sehr interessante Gespräche geführt, und wenn Sie glauben, der so genannte Langzeitinvestor steht nur mit 5000 Mark hinten, dann irren Sie sich gewaltig. Viele langfristig orientierten Aktienanleger halten zur Zeit auf Empfehlung so viel Mist in Ihrem Depot, da schlackern Sie mit den Ohren. Es ist aber auch verständlich. Es gibt einen ganzen Sack voll Gurus, hinzu kommt eine wachsende Zahl von so genannten neuen Finanzzeitungen, eine Riesenmenge Bankenreports, bis zu den Internet-Finanznews, und ihren Chat. Jeder empfiehlt irgendwelche Aktien. Und so ist es leider dazu gekommen, dass der Kunde die gut laufenden Aktien aus seinem Depot genommen hat und sich jetzt mit dem Schrott rumschlagen muss. Es ist also keine Seltenheit, dass langfristig orientierte Anleger im Moment mit 20, 30, oder sogar 50 Prozent im Minus stehen. Na, wie versprochen, es wird bald besser, nur jetzt noch nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben