Wirtschaft : Anfang vom Ende

DANIEL WETZEL

Johannes Ludewig braucht sich den Vorwurf, er sei der Bremser für den Transrapid, nicht gefallen zu lassen.Immerhin leitet der Bahn-Chef ein Unternehmen, das ab 2003 ohne die Milliardenzuschüsse des Bundes auskommen muß.Politik und Industrie sind aus dem Schneider, wenn die Kosten für Fahrweg und Zug erst einmal abgeschrieben sind.Doch an der Bahn, dem langfristigen Betreiber des Transrapid, bleiben die Kosten für den Betrieb der Magnetschnellbahn am Ende hängen.

Schon jetzt fällt es dem Bahn-Chef allerdings sichtbar schwer, die jüngsten Gutachten zum Fahrgastaufkommen des Transrapid schönzureden.Die Magnetbahn passe ins Konzept der privaten Bahn AG, versicherte Ludewig noch am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz: Die Deutsche Bahn AG habe ohnehin vorgehabt, überall in Deutschland den schnellen Personenverkehr auf eigenen Trassen am langsamen Güterverkehr vorbeizuleiten.Doch woher nun auf einmal die Gütertransporte kommen sollen, die die alte Schienentrasse zwischen Hamburg und Berlin neben dem Transrapid zu einem vernünftigen Projekt machen könnten, bleibt eines der vielen ungelösten Rätsel.Ludewigs halbherziger Versuch, dem Transrapid Sinnhaftigkeit einzuräumen, ist nur eine Beruhigungspille für die Bahnindustrie.Tatsächlich aber hat sich der Bahn-Chef längst gegen das Milliardenunternehmen entschieden: Er wird sich keinen Verlustbringer ans Bein binden lassen.Wenn Bundesregierung und Industrie eine Referenzstrecke für ihren angeblichen Exportschlager brauchen, ist das nicht seine Angelegenheit.Mit seiner Überzeugung hält Ludewig noch hinter dem Berg.Aus gutem Grund: Wenn sich in den nächsten Monaten ein ausländischer Standort für den Transrapid finden sollte, kann der clevere Bahn-Chef leise aussteigen, ohne sich allzuviele Feinde gemacht zu haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben