Wirtschaft : Angeklagter beschuldigt Deutsche Bank Prozess um Betrug mit Klima-Zertifikaten

Frankfurt am Main - Im Frankfurter Prozess um 250 Millionen Euro hinterzogene Umsatzsteuer hat sich einer der sechs Angeklagten als unwissender Akteur dargestellt. Er habe zunächst kaum verstanden, wie der Handel mit CO2-Emissionsrechten funktioniere, sagte der 35 Jahre alte Geschäftsmann am Montag vor dem Frankfurter Landgericht. Er habe zu Beginn auf Anweisung der britischen Inhaber einer Schweizer Aktiengesellschaft mit den Verschmutzungsrechten gehandelt, die vor allem von Produktionsbetrieben benötigt werden. Um ins Geschäft zu kommen, habe er eine Liste möglicher Partner abtelefoniert und Einladungsschreiben verschickt. Auf Nachfragen habe er kaum kompetent antworten können.

Das Geschäft ist nach Darstellung des Angeklagten erst richtig in Schwung gekommen, als er Kontakt zur Zentrale der Deutschen Bank aufnahm. Dort habe man ihm einen Handelsvertrag und ein entsprechendes Konto angeboten. Danach hätten sich bei ihm zahlreiche Interessenten gemeldet. Er habe sich auf die Risikoeinschätzungen der Bank verlassen, die auf eigenen Wunsch seine Kunden vorab überprüft habe. Später hatte der 35-Jährige die Handelsfirma übernommen und seinen ebenfalls angeklagten Vater als Geschäftsführer eingestellt.

Die Rolle der Deutschen Bank steht im Hintergrund des vergangene Woche begonnenen Großverfahrens. Laut Anklage wurden die Zertifikate von einer Vielzahl von Firmen weitergereicht, um letztlich die Umsatzsteuer zu hinterziehen. Im Gerichtssaal wurde erneut diskutiert, ob die Bank mit ihrem Engagement den Zertifikatehandel in Deutschland und damit den Steuerbetrug nicht erst ermöglicht habe. Gegen sieben Mitarbeiter wird ermittelt. Der Angeklagte wollte nichts davon gewusst haben, dass sich der Zwischenhändler strafbar macht, falls mit dem gehandelten Papier die Umsatzsteuer hinterzogen wurde. Die Deutsche Bank habe ihm erklärt, dass sie den gesamten deutschen Markt überwache. dpa

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