Wirtschaft : Angela Imlau

jojo

Unermüdlich nach über zwanzig Jahren Börsejojo

Die Märkte schlafen nie: Pausenlos bewegt sich das Kapital - nur die Menschen hinter den Zahlen müssen ab und an rasten.Angela Imlau versucht freilich, so lange wie möglich ihre Schnäppchen zu machen.Von morgens acht bis abends acht beobachtet die Leiterin der Börsenabteilung der Berliner Volksbank das Auf und Ab der Kurse.Am frühen Morgen ein schneller Blick in die Zeitungen, und schon geht der tägliche Handel los - zunächst von der Volksbank-Zentrale aus.Es vergehen kaum zwei Stunden, und die 54jährige macht sich auf in die Fasanenstraße.Um halb elf starten die Geschäfte an der Berliner Wertpapierbörse - mit Imlau als Vertreterin der Volksbank.Ihren Arbeitsplatz, den chromglitzernden Börsensaal im Ludwig-Erhard-Haus, sieht Imlau ein Jahr nach dem Umzug mit nüchternen Augen: "Es fehlt das Tageslicht", klagt sie, "man fühlt sich wie in einem Käfig".Den Draht zur Außenwelt bieten ihr Telefon und Computer.Sechs Bildschirme hat sie in dem kleinen, fensterlosen Büro im Blick."Gerüchte", erzählt sie, "bekomme ich übers Telefon mit, oder natürlich von den Kollegen hier an der Börse".Allzuviele sind allerdings nicht übrig geblieben, seit die deutschen Großbanken ihr Personal an den Main abgezogen haben.Der Trend von der Präsenzbörse zum Computerhandel macht die eingefleischte Börsianerin etwas wehmütig, schon seit 1982 beobachtet sie das Geschehen auf dem Berliner Parkett.Sie selbst beteilige sich nicht an den Spekulationen.Als Händlerin will sie das nicht, "da steht man mit einem Bein im Gefängnis".Vor großen Summen hat die Zehlendorferin keine Angst."Mir liegt das", unterstreicht sie, gibt aber auch zu, daß ihr so manche offene Position schlaflose Nächte bereite."Man braucht ein gewisses Gefühl, wie ein Wert morgen aussehen könnte." Die Börse, ist sie überzeugt, hat viel mit Psychologie zu tun.Dabei kann auch einmal eine Transaktion schiefgehen.Die Frau kennt das Geschäft gut genug, war ihr ganzes Berufsleben lang in Wertpapierabteilungen.Die Hausse an den Aktienmärkten läßt sie zumindest in diesem Jahr etwas ruhiger ins Bett gehen.Abschalten, erzählt Imlau, kann sie manchmal selbst am Wochenende nicht. Denn trotz Millionentransaktionen bekennt sie: "Ich bin hoffnungslos romantisch".

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