Wirtschaft : Angezählt, aber nicht am Boden

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Von Heike Jahberg

Verrückte Zeiten: Die Allianz erleidet den größten Quartalsverlust in der Unternehmensgeschichte, und der Aktienkurs schnellt nach oben. Unglaublich? Wenn man sich auf die Logik der Börse einlässt, nicht. Denn schlimmer kann es für Deutschlands größten Versicherungskonzern nicht mehr kommen, sagen die Börsianer.

Tatsächlich hat es die Allianz in diesem Jahr knüppeldick erwischt. 1,7 Milliarden Euro hat allein der Kurssturz an den Börsen den Konzern gekostet, 760 Millionen Euro muss die USTochter Fireman’s Fund für Asbestschäden zurücklegen. Und dann kam auch noch die Elbe-Flut. Naturkatastrophen plus kollabierende Kapitalmärkte – diese Kombination kann selbst den solidesten Konzern erschüttern. Kein Wunder, dass die Börse Nachsicht mit der Allianz zeigt.

Also alles nur Schicksal, Pech und höhere Gewalt? Leider nein. Denn zumindest ein Problem ist hausgemacht: das Sorgenkind Dresdner Bank. Zwei Milliarden Euro hat die Bank die Mutter in den ersten neun Monaten dieses Jahres gekostet. Wann die Sanierung greift und das Geldhaus in die schwarzen Zahlen zurückkehrt, ist ungewiss.

Allianz-Kunden brauchen dennoch nicht in Panik zu verfallen. Niemand muss befürchten, dass der Branchenriese Rentenversicherungen nicht mehr auszahlen oder Autounfälle nicht mehr regulieren kann. Fragt sich allerdings, zu welchem Preis. Schon jetzt hat der Konzern erste Prämienerhöhungen in der Hochwasserversicherung und sinkende Überschussbeteiligungen in der Lebensversicherung angekündigt: Gute Zeiten für die Aktionäre, schlechte Zeiten für die Kunden.

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