Wirtschaft : Angleichungsschritte für Ost-Metaller bis zum Jahr 2005

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Die IG Metall hat sich in den Tarifverhandlungen für die rund 270 000 ostdeutschen Metallarbeitnehmer nur begrenzt durchsetzen können. Zwar wurde die 38-Stunden-Woche für die kommenden drei Jahre festgeschrieben. Im Gegenzug konnte die Gewerkschaft aber nicht die Zahlung von vermögenswirksamen Leistungen wie im Westen durchsetzen. Vereinbart wurde vielmehr eine Schrittfolge: Zum 1. Mai 2001 bekommen die Ost-Metaller 26 Mark monatlich an vermögenswirksamen Leistungen, zwei Jahre später erhöht sich der Betrag auf 39 Mark und zum 1. Mai 2005 werden dann - wie bereits heute im Westn - 52 Mark gezahlt. In der Nacht zum Dienstag vereinbarten die Tarifparteien in Berlin ferner die Übernahme des Tarifabschlusses von Nordrhein-Westfalen, der in diesem Jahr eine Lohnerhöhung um drei Prozent und im kommenden Jahr um 2,1 Prozent vorsieht. Der Abschluss soll Pilocharakter haben. Noch in der Nacht übernahmen Sachsen und Sachsen-Anhalt das Berliner Ergebnis. Am Mittwoch und Donnerstag ist in den Tarifbezirken Thüringen und Küste mit Mecklenburg-Vorpommern nach Aussagen der Tarifparteien ebenfalls mit der Übernahme zu rechnen.

Die Arbeitgeber begrüßten den Tarifabschluss. Verhandlungsführer Roland Fischer sagte, den Ost-Unternehmen bleibe "etwas Luft in ihrem schwierigen Umstrukturierungsprozess bis zur Angleichung der Produktivität an das westdeutsche Niveau". Nun könnten die neuen Länder "in der Investorenwerbung noch drei weitere Jahre einen Standortvorteil vermarkten", meinte Fischer, der auch Mitglied der Geschäftsleitung von Otis-Deutschland ist. Andreas Winkler, Hauptgeschäftsführer des sächsischen Metallverbandes, sprach in einer Stellungnahme von einem "guten Verhandlungsergebnis". Für die Unternehmen sei ein "wesentlicher Standortvorteil" erhalten worden. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Hasso Düvel, bewertete den Tarifabschluss als "akzeptablen Kompromiss". Die IG Metall fühle sich "ihrer gesellschaftlichen Verantwortung weiter verpflichtet, die Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Ostdeutschland an den Westen voranzutreiben", sagte Düvel. Bei den vermögenswirksamen Leistungen sei das "vollständig gelungen". Damit sei den Beschäftigten die Möglichkeit gegeben, "eigenständige Altersvorsorge zu betreiben und sich gegen Altersarmut zu schützen", meinte Düvel.

Ausdrücklich stellte Düvel die so genannte Beschäftigungsbrücke heraus, die mit der Übernahme des NRW-Abschlusses nun auch im Osten gültig sei. Konkret nannte der IG-Metall-Chef von Berlin, Brandenburg und Sachsen die Übernahme der Auszubildenden nach abgeschlossener Lehre für zwölf Monate; bislang war die Übernahme bis sechs Monate vertraglich festgelegt. Nach der - wie im Westen - erweiterten Altersteilzeitregelung sollen ab 1. Mai alle 57-Jährigen einen Rechtsanspruch auf eine sechsjährige Altersteilzeitphase erhalten. Die ostdeutsche Härtefallregelung wurde bis zum 28. Februar 2002 verlängert. Im Rahmen dieser Regel können die Betriebe unter Tarif zahlen, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und wenn die IG Metall der untertariflichen Bezahlung zustimmt.

Düvel betonte, dass die Angleichung der wöchentlichen Arbeitszeit "nicht vom Tisch" sei. Alles in allem hätten "70 000 ostdeutsche Metallerinnen und Metaller Flagge gezeigt und mit Warnstreiks ihre Entschlossenheit bekundet, sich nicht als Arbeitnehmer 2. Klasse abstempeln zu lassen". Um die 35-Stunden-Woche im Osten dürfte es dann in drei Jahren gehen.

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