Angriff auf Level zwei : Daten-GAU bei Sony

In der Nacht zum Montag gab Sony bekannt, dass bei dem Hackerangriff vor gut zwei Wochen auch Daten der Internetspieleplattform Sony Online Entertainment (SOE) entwendet wurden.

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Den Durchblick verloren. Erst zwei Wochen nach dem Hackerangriff bemerkte der japanische Elektronikkonzern den Diebstahl weiterer Daten.
Den Durchblick verloren. Erst zwei Wochen nach dem Hackerangriff bemerkte der japanische Elektronikkonzern den Diebstahl weiterer...Foto: dpa

Berlin - Eigentlich wollte Sony die Affäre schnellstmöglich beenden. Die wegen eines riesigen Datendiebstahls seit zwei Wochen abgeschalteten Internetplattformen der Spielkonsole Playstation und des Musikdienstes Qriocity würden teilweise noch in dieser Woche wieder online gehen, hatte das Unternehmen am Wochenende mitgeteilt. Stattdessen aber muss der japanische Elektronikkonzern nun den Diebstahl der persönlichen Daten von weiteren 24,6 Millionen Kunden erklären: In der Nacht zum Montag gab Sony bekannt, dass bei dem Hackerangriff vor gut zwei Wochen auch Daten der Internetspieleplattform Sony Online Entertainment (SOE) entwendet wurden. Insgesamt sind dem Unternehmen damit sensible Daten von rund 105 Millionen Kunden abhanden gekommen.

Im Gegensatz zum Playstation-Netzwerk, für das Spieler eine Konsole benötigen, reicht ein herkömmlicher Computer, um bei Sony Online Entertainment Spiele wie „Everquest“ und „Star Wars Galaxy“ gegen andere Nutzer zu spielen. Zudem bietet SOE auch Spiele im sozialen Netzwerk Facebook an. Sony sah sich nun gezwungen, auch diesen Dienst vorübergehend abzuschalten.

Nach Angaben des Unternehmens fand der Angriff ebenfalls um den 18. April statt, zeitgleich mit dem Eindringen der Hacker ins Playstation-Netzwerk, bei dem sie die Daten von 77 Millionen Nutzern gestohlen hatten. Zwar stünden beide Server im kalifornischen San Diego, jedoch komplett voneinander getrennt. Erst bei „der laufenden Überwachung unseres Netzwerkes zur Abwehr illegaler Angriffe“ habe das Unternehmen den zweiten Einbruch festgestellt. Diesmal wurden zusätzlich zu Namen, Adressen, Geburtsdaten, Telefonnummern, Benutzernamen und Passwörtern definitiv auch Bankinformationen entwendet. Sony teilte mit, es handele sich um Daten aus einer nicht mehr aktuellen Datenbank aus dem Jahr 2007, die Kreditkarten- oder EC-Kartennummern mit entsprechenden Gültigkeitsdaten von schätzungsweise 12 700 Kunden außerhalb der USA und 10 700 Lastschrifteinzugsdaten mit Kontonummern von Kunden aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Spanien. Die betroffenen Kunden würden nun informiert.

Hinweise auf einen Zugriff auf die Haupt-Kreditkartendatenbank gebe es jedoch nicht. „Diese befindet sich in einer vollständig abgetrennten und sicheren Umgebung“, teilte Sony mit. Eine Sprecherin schloss jedoch nicht aus, dass noch mehr Daten gestohlen werden könnten. „Es sind Hacker am Werk“, sagte sie. „Wir wissen nicht, wo sie als nächstes zuschlagen werden.“

Die Kritik an Sonys Krisenmanagement wächst von allen Seiten. Beunruhigend für die Kunden ist, dass Sony den zweiten Angriff erst mit zwei Wochen Verspätung überhaupt bemerkt hat. Über den ersten Angriff hatte der Konzern seine Kunden erst eine Woche nach der Entdeckung informiert. Die Bundesregierung äußerte sich empört über Sonys Umgang mit der Datenkrise. Die Informationspolitik des Konzerns sei völlig inakzeptabel, sagte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU): „Weder gibt es eine Hotline, an die Kunden sich wenden können, noch erfährt der Nutzer auf den Webseiten des Konzerns schnell und verständlich, wie er sich als Betroffener jetzt verhalten sollte.“ Sony müsse jetzt schnell und konkret für Aufklärung sorgen.

Sony kündigte zwar Entschädigungen an, jedoch nur für die Zeit, in der die Abokunden die Netzwerke nicht nutzen konnten. Darüber hinaus werde es als „Willkommen zurück“-Angebot kostenlose Downloads und Testmitgliedschaften geben. Wie der Konzern im Fall der entwendeten Daten verfahren wird, ist weiter offen. Sony-Chef Howard Stringer hat sich bislang überhaupt nicht geäußert. Am Sonntag hatte er die Nummer zwei im Konzern, Kazuo Hirai, vor die Presse geschickt, um sich zu entschuldigen.

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