Angriff der Discounter : Aldi tut Rossmann weh

Lebensmittel-Discounter verkaufen immer mehr Shampoos und Cremes. Damit machen sie den Drogerieketten das Leben schwer. Rossmann will trotzdem um acht Prozent wachsen.

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Dirk Roßmann, Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Rossmann. Foto: dpa
Dirk Roßmann, Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Rossmann.Foto: dpa

Mit einem kleinen blauen Döschen fing es an: Für die Drogerieunternehmen in Deutschland sei es „natürlich nicht so günstig“ gewesen, als bei Aldi plötzlich auch Nivea-Creme im Regal lag, formuliert es Dirk Roßmann am Mittwoch im niedersächsischen Burgwedel bei der Vorstellung seiner Unternehmensbilanz. „Ungefähr Mitte letzten Jahres wurde es erheblich schwerer für uns, weil die Lebensmittelhändler wie Netto und Aldi verstärkt Drogeriewaren angeboten haben.“ Rossmann, nach dem Ende von Schlecker die zweitgrößte Drogeriekette in Deutschland, hat deshalb für das laufende Jahr erstmals eine deutlich niedrigere Wachstumsprognose ausgegeben als in den Vorjahren. Acht Prozent will das Unternehmen 2014 noch zulegen, seit 1998 war es bei Umsatz und Gewinn stets zweistellig gewachsen.

Die Kunden gaben 41 Millionen mehr aus

Das sind Sorgen auf hohem Niveau: 6,64 Milliarden Euro gaben Kunden 2013 bei Rossmann aus, das waren 41 Millionen mehr als 2012, ein Plus von zwölf Prozent. Jeden Tag kaufen rund 1,6 Millionen Menschen in Rossmann-Läden ein. Dieses Jahr will die Kette, die vor mehr als 40 Jahren in Hannover gegründet wurde, 150 neue Märkte in Deutschland errichten und sich so auf eine Verkaufsfläche von einer Million Quadratmetern ausdehnen. 26 000 Mitarbeiter sind hierzulande bei Rossmann beschäftigt, 40 000 insgesamt. Zweitwichtigster Markt ist Polen.

Die Firma Rossmann steht hinter dm und vor Müller in einer Branche, die bundesweit 23 Milliarden Euro Jahresumsatz macht. Nach dem Schlecker-Aus drängen immer mehr Branchenfremde in die Lücke. Shampoo, Deo, Zahnpasta und Waschmittel gibt es auch beim Discounter. Dirk Roßmann sagt: „Das tut uns natürlich weh.“ Der Drogerie-Chef fürchtet auch, dass die neue Konkurrenz die Preise verdirbt – insbesondere Marktführer Aldi lockt Kunden mit Niedrigpreisen und setzt so die Mitbewerber unter Druck.

Rossmann setzt auf Wohlfühl-Atmosphäre

Doch die Drogerien haben eigene Stärken. „Unsere Qualität – und damit meine ich auch dm und Müller – liegt ja heute darin, dass bei uns die Kunden auch einen Lippenstift und eine Haarbürste kaufen“, sagt Roßmann. Handelsexperten geben ihm recht: „Kunden schätzen beim Kauf von Körperpflege- und Schönheitsprodukten eine Wellness-Atmosphäre“, sagt Denise Klug vom Informationsdienst Planet Retail. Im Übrigen funktioniert der Trend zum Fischen in fremdem Terrain auch umgekehrt: So gehören bei Rossmann Lebensmittel und Wein längst zum Standard-Angebot, ergänzt auch durch Kurzwaren, Küchengeräte und Dekoartikel.



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