Wirtschaft : Angst als Kostenfaktor: Gefühlsmanagement im Betrieb spart Milliardenbeträge

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Neun von zehn Beschäftigten leiden unter betrieblich bedingten Ängsten. Das haben die Wirtschaftswissenschaftler Professor Winfried Panse und Wolfgang Stegmann herausgefunden und in ihrem Buch "Kostenfaktor Angst" (Moderne Industrie, Landsberg 1998, 59 Mark) veröffentlicht. Wie der Online-Dienst "www.innovation-aktuell.com" der Düsseldorfer Symposium Publishing GmbH berichtet, schätzen die Forscher der Fachhochschule Köln, dass der deutschen Wirtschaft durch betrieblich bedingte Ängste mittlerweile ein Schaden von jährlich über 100 Milliarden Mark entsteht. Die Kosten werden verursacht durch innere Kündigung, Flucht in den Alkohol, angstbedingte Fluktuation und Mobbing.

Ängste kennen keine hierarchischen Grenzen. Auch der meist selbstbewusst auftretende Manager hat viele Ängste, die er allerdings selten zugibt. "Das Thema Angst ist eines der am stärksten tabuisierten Wörter in deutschen Führungsetagen", sagt Uwe Wucknitz, Projektleiter bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Joachim Freimuth, der an der Hochschule Bremen lehrt und das Buch "Die Angst der Manager" (Hogrefe Verlag, Göttingen 1999, 79 Mark) herausgegeben hat, stimmt dem zu: "Man benimmt sich so, als ob man gar keine Ängste hätte". Ängste, die Führungskräfte selbst am häufigsten nennen, sind die Angst vor Arbeitsplatzverlust (68,2 Prozent Nennungen), Angst vor Krankheit und Unfall (67,1 Prozent), Angst, Fehler zu machen (59,1 Prozent) und die Angst, Wertschätzung und Anerkennung zu verlieren (52 Prozent).

Durch gezieltes Angstmanagement können nach Überzeugung der Kölner Betriebswirte Arbeitszufriedenheit und damit Motivation und Leistungsfähigkeit verbessert werden. "Wichtig ist dabei, dass die Maßnahmen situations- und unternehmensspezifisch sind", sagen Panse und Stegmann. Ihre Empfehlungen für erfolgreiches betriebliches Angstmanagement

Akzeptieren Sie das Gefühl der Angst und vermeiden Sie Verdrängungen.

Enger Handlungsspielraum fördert Ängste. Jeder Mitarbeiter sollte innerhalb definierter Regeln größtmögliche Freiheit erhalten.

Stellen Sie sich als Chef nicht als unfehlbar dar. Zugegebene Fehler können zukünftig leichter vermieden werden als kaschierte.

Bedenken Sie, auch ihre Vorgesetzten haben Ängste: Zeigen Sie Verständnis für die Schwierigkeiten, die eine Führungsfunktion und Verantwortung mit sich bringen.

Wenn regelmäßige persönliche Gespräche stattfinden, erfahren Sie, was der andere denkt und tut. Ihre Kollegen werden somit für Sie berechenbarer.

Erteilen Sie klare Aufträge. Beschäftigte fühlen sich oft durch unklare Aufträge ihrer Vorgesetzten verunsichert.

Geben Sie jedem Unternehmensmitglied Wertschätzung und Anerkennung. Studien belegen, dass betriebsbedingte Ängste auf der Furcht basieren, Wertschätzung und Anerkennung zu verlieren.

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