Wirtschaft : Angst im Job – Was man dagegen tun kann

Angst ist im Berufsleben alltäglich – dennoch wird sie tabuisiert. „Wer Angst eingesteht, könnte als Schwächling gelten. Wir versuchen, schon das Wort zu vermeiden“, sagte Wolf-Dietrich Groß, Coach aus Berlin. „Alle reden lieber von Stress, aber dahinter stehen Ängste.“ Gemeint sind solche wie die, von Kollegen nicht anerkannt zu werden, im Konkurrenzkampf nicht mithalten zu können oder bei Konflikten den Kürzeren zu ziehen.

„Aber auch die Angst vor Kontrollverlust, vor Krankheit oder gerade jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.“    Angst sei zwar grundsätzlich etwas Positives, weil sie wie ein Warnsignal auf Gefahren aufmerksam mache und den Betroffenen dazu bringe, sich zu schützen: „Wenn ich am Abgrund stehe, sagt mir die Angst: Mach' einen Schritt zurück!“ Aber es gebe auch negative Angst.

Sie wirkt lähmend, macht handlungsunfähig und führt dazu, dass man weniger konzentriert und damit weniger effizient arbeitet. „Diese Angst schnürt mir die Kehle zu, gerade in dem Moment, in dem ich einen Vortrag halten soll.“ Ängste äußern sich auch in körperlichen Symptomen: „Herzrasen und erhöhter Blutdruck gehören dazu.“ Schlimmstenfalls eskaliert das Problem bis zum Burnout: „Dauerangst kann körperliche Erschöpfung oder auch einen Infarkt zur Folge haben“, warnte Groß. Wer solche Anzeichen an sich wahrnimmt, sollte schnell reagieren: „Ich darf die Angst dann nicht verdrängen, sondern muss mir Hilfe holen. Manchmal kann es schon reichen, mit einem guten Freund darüber zu sprechen oder mit jemand anderem, dem ich sehr vertraue.“

Auch Führungskräfte können dazu beitragen, dass am Arbeitsplatz kein Klima der Angst entsteht. Sie sollten Mitarbeiter ermutigen, Ängste auszusprechen – zum Beispiel, wenn im Betrieb Veränderungen anstehen, Abteilungen aufgelöst werden oder Stellenstreichungen drohen. „Die Mitarbeiter sollten die Chance haben, zu verstehen, was passiert“, sagte Groß. Vorgesetzte sollten deshalb darüber sprechen, was möglicherweise beängstigend wirkt. „Sie müssen informieren, das Thema transparent machen.“ Sie dürfen nicht das Motto ausgeben „bloß keine Angst haben“. Ängste kleinzureden oder für überflüssig zu erklären, sei der falsche Ansatz. „Mit Mitarbeitern über Ängste zu reden, kann dagegen schon erleichternd wirken.“ Auch die Möglichkeit, mit dem Chef unter vier Augen über Sorgen und Ängste zu sprechen, sollte zum Alltag gehören. Das Führungsverhalten insgesamt hat Auswirkungen darauf, wie sich Mitarbeiter im Betrieb fühlen: „Wer von seinem Chef nie Anerkennung erfährt, entwickelt schneller Ängste“, sagte Groß.

Nicht selten haben allerdings auch Führungskräfte Angst: „Mit der Höhe des Gehalts wird sie nicht geringer“, sagte Groß. Wichtig sei, dass Vorgesetzte auch in dieser Hinsicht Vorbild sind und den Mut haben, ehrlich über ihre eigenen Ängste zu sprechen. Das falle vielen nicht leicht - gerade Männern, zu deren Selbstbild es gehört, keine Angst zu haben. dpa

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