Wirtschaft : Angst vor den Netz-Spionen

Viele Kunden trauen den Bezahlsystemen im Internet nicht. Jetzt wirbt ein neuer Anbieter um Vertrauen

Cornelia Wagner

Berlin - Wenn es ums Online-Bezahlen geht, dann werden viele Kunden nervös. Die Deutschen geben im Netz nur sehr ungern ihre Konto- oder Kreditkartendaten an, das ist eines der größten Hindernisse für den Onlinehandel hierzulande. Viele fürchten, dass ihre Daten ausspioniert werden. „Doch die Angst der Kunden schwindet zunehmend“, sagt ein Sprecher vom Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). So wurden 2005 online bereits rund 32 Milliarden Euro im Privatkundengeschäft, das heißt inklusive beispielsweise Dienstleistungen und Überweisungen, umgesetzt. Das seien 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2009 prognostiziert der Verband einen Umsatz von 114 Milliarden Euro.

Dennoch: Marktforscher ermittelten, dass 25 Prozent aller Kunden eine Bestellung abgebrochen haben, weil sie nicht per Kreditkarte oder Lastschrift bezahlen wollten. 85 Prozent der Onlinekunden nutzen auch im Netz am liebsten Überweisungen. Auf diese Vorliebe der deutschen Onlinekunden aufbauend, ist jetzt das Bezahlverfahren Giropay an den Start gegangen. Mit Giropay wollen die Postbank, die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken das Bezahlen im Internet sicherer machen. Bisher gibt es aber nur ein Unternehmen, das Giropay einsetzt: Ebay. „In naher Zukunft werden sich noch weitere Banken und Onlinehändler beteiligen“, hofft Giropay-Geschäftsführer Arnulf Keese.

Giropay ist eine vereinfachte Online- Überweisung. Der Käufer wird mit nur einem Klick von der Seite des Händlers auf die seiner Bank geleitet und kann dort wie gewohnt durch die Eingabe von Konto- und PIN-Nummer die Überweisung ausführen. Voraussetzung ist, dass der Kunde ein für Online-Banking freigeschaltetes Konto bei einem an Giropay teilnehmenden Kreditinstitut hat. Giropay glaubt an den Erfolg, da der Kunde hier ein System nutzt, das er kennt. Denn 71,5 Prozent aller Onlinekunden nutzen bereits Online- Banking. „Es wurde oft versucht, ein komplett neues Zahlungssystem auf dem Markt zu etablieren“, sagt Keese. „Wir machen es jetzt anders.“ Die Chancen stehen gut, da die hinter Giropay stehende Bankengruppe 85 Prozent der Inhaber privater Girokonten vereint.

Zu den bislang führenden Bezahlsystemen im Netz zählen „Click&Buy“ von Firstgate, „T-Pay“ von der Deutschen Telekom und „Paypal“ von Ebay. „Click& Buy“ gibt es bereits seit fünf Jahren. Die ursprüngliche Idee war, eine Bezahlmöglichkeit für Kleinstbeträge zu bieten, etwa um einen Testbericht der Stiftung Warentest online abrufen zu können. Einmal mit Kunden- und Bankdaten registriert, können Einkäufe bei weltweit mehr als 4000 Anbietern abgewickelt werden – inzwischen auch für größere Beträge. Dabei ist die Zahlung per Lastschrift, Kreditkarte oder Rechnung möglich. Bei „T-Pay“ erfolgt die Zahlung über die monatliche Telefonrechnung, bei „Paypal“ über ein Guthabenkonto.

Giropay hofft, mit dem neuen System Online–Einkaufen schneller und bequemer zu machen: Wird die Überweisung abgeschickt, erhält der Händler eine Bestätigung von Giropay, dass das Geld unterwegs ist. So kann er die Ware schneller losschicken.

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