Wirtschaft : Angst vor der Abstellkammer

Mit dem Rausschmiss aus dem Dax verlieren Unternehmen oft Aufmerksamkeit – und Anleger

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Berlin (hop). Bis zum späten Abend mussten die Aktionäre des Finanzdienstleisters MLP am Dienstag zittern. Denn turnusgemäß entschied die Deutsche Börse darüber, wer in Zukunft Mitglied im wichtigsten aller deutschen Börsenindizes, dem Deutschen Aktienindex Dax, sein darf. Während sich 29 der bisherigen Mitglieder sicher sein durften, rechnet MLP schon seit Monaten mit dem Rauswurf. Die Hoffnung und Angst über das weitere Börsenschicksal des Finanzdienstleisters spiegelten sich am Dienstag auch am Aktienkurs wider.

Eigentlich erfüllt MLP die Voraussetzungen für eine DaxMitgliedschaft schon lange nicht mehr. Eine Bedingung ist, dass der Konzern zu den 35 wichtigsten Aktienwerten zählt. Dafür gibt es die beiden Kriterien Börsenwert und Handelsumsatz. Beim Wert rangierte MLP zuletzt lediglich auf Platz 50.

Am Montag regierte allerdings zunächst wieder das Prinzip Hoffnung. Bis Handelsschluss stieg der Kurs der MLP-Aktie um 3,04 Prozent auf 8,48 Euro. Am Zuge waren hier vor allem Spekulanten, die mit einem starken Kursanstieg bei MLP für den Fall rechneten, dass das Unternehmen weiter im Dax blieb. Wichtigste Konkurrenten um die Nachfolge waren der Reifenhersteller und Technologiekonzern Continental, die Internet-Tochter der Deutschen Telekom, T-Online, und – als heißester Kandidat – der Kosmetikkonzern Beiersdorf (siehe Kästen).

Die Furcht vor einem Rausschmiss – und das Setzen auf den Verbleib – hat einen guten Grund. Denn die Zugehörigkeit zum Dax garantiert Aufmerksamkeit nicht nur bei Kleinanlegern, sondern auch bei Fonds-Managern. Viele Aktienfonds bilden wichtige Börsenindizes ab, richten sich also in ihrer Zusammensetzung an derjenigen der Indizes aus. Und vor allem in den USA und Großbritannien sind so genannte passiv gemanagte, also an Indizes orientierte, Fonds immer beliebter. Auch in Deutschland finden sich immer mehr Anhänger, denn aktiv gemanagte Fonds haben im längerfristigen Vergleich nur in Ausnahmefällen tatsächlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt.

Fällt ein Wert aus einem Index, wird er also auch aus dem Portfolio vieler Fonds gestrichen. Aktien können auf die Prominenz eines Index-Platzes nur dann verzichten, wenn sie auch so bekannt genug sind. Am besten fährt damit unter den deutschen Werten Porsche. Das Unternehmen würde zwar die Voraussetzungen für eine Dax-Aufnahme spielend erfüllen, liefert sich aber einen Kleinkrieg mit der Deutschen Börse, weil es keine Quartalsberichte veröffentlichen will. Schlechter als den im Dax notierten Automobilwerten wie Volkswagen und BMW ist es Porsche in den vergangenen Monaten trotzdem nicht ergangen.

Am Dienstag stand nicht nur die Entscheidung über die Dax-Zusammensetzung an, sondern auch über eine Reihe neuer Indizes, die im Rahmen der Neuordnung der Börse zum ersten Mal festgestellt wurden. Der Aktienmarkt wird in zwei Segmente eingeteilt. Im so genannten „General Standard“ gelten die Mindestregeln für die dort notierten Unternehmen. Verschärfte Anforderungen werden dagegen an die Firmen gestellt, die ihre Aktien im „Prime Standard“ handeln lassen wollen. Nur Werte aus dem „Prime Standard“ können sich für den neuen Technologieindex Tec-Dax qualifizieren. Das gilt auch für Aktien, die sich um die Aufnahme in den M-Dax bewerben, der dem Leitindex Dax nachgeordnet ist.

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