• Angst vor der "Festung Europa" - die USA haben die Konsolidierung in der Luft- und Raumfahrt schon hinter sich

Wirtschaft : Angst vor der "Festung Europa" - die USA haben die Konsolidierung in der Luft- und Raumfahrt schon hinter sich

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Mit der Fusion der DaimlerChrysler AG und Aérospatiale Matra SA beginnt in der europäischen Rüstungsindustrie eine Konsolidierung, die in den Vereinigten Staaten weitgehend abgeschlossen ist. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Zusammenschlüsse in den Vereinigten Staaten. Die militärische und zivile Luft- und Raumfahrtindustrie wurde von diversen Fusionen und Übernahmen geprägt.

Doch auch nach der deutsch-französischen Firmenehe bleiben zwei US-amerikanische Unternehmen gemessen am Umsatz in der internationalen Branche unverändert an der Spitze: Das ist einmal Boeing mit 56,2 Milliarden Dollar Umsatz und zum anderen die mit 26,2 Milliarden Dollar Umsatz knapp halb so große Lockheed Martin Corp. Beide Unternehmen sind selber aus Zusammenschlüssen hervorgegangen.

So fusionierte Boeing 1996 mit McDonnell Douglas Corporation. Lockheed und Martin Marietta schlossen sich 1995 zur heutigen Lockheed Martin zusammen. Die neue European Aeronautic, Defense & Space Company, oder EADS, zu der sich DaimlerChrysler Aerospace und Aérospatiale Matra zusammenschliessen, kommt mit umgerechnet 22,7 Milliarden Dollar Umsatz auf den dritten Platz. Es folgen zwei weitere Amerikaner, die Ratheon Company (19,5 Milliarden Dollar) und Northrop Grumman Corporation (8,9 Milliarden Dollar).

Seit 1993 förderte die US-amerikanische Regierung den Konzentrationsprozess angesichts der schrumpfenden Verteidigungsausgaben ganz gezielt. Die Zahl der Anbieter war zu groß und die Auslastung vieler kleinerer Unternehmen zu gering.

Als Lockheed Martin 1996 Northrop Grumman unter seinen Fittiche bringen wollte, stellten sich die Washingtoner Kartellwächter allerdings quer. Die als Höhepunkt betrachtete Fusion in der US-amerikansichen Luft- und Raumfahrt scheiterte 1997.

Die Auswirkungen der deutsch-französischen Fusion auf die Vereinigten Staaten ist momentan nur schwer überschaubar, zumal neben geschäftlichen Gesichtspunkten die politische Komponente eine entscheidende Rolle spielen dürfte. Phil Condit, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Boeing Company, meinte in einer ersten Stellungnahme, die Kommerzialisierung des Erzkonkurrenten Airbus sei begrüßenswert. Dabei bezog er sich auf eine Beschwerde von Boeing, die Subventionierung des europäischen Konsortiums verstosse gegen die Wettbewerbsregeln. Condit fügte aber hinzu, der Zusammenschluss ändere beim gegenwärtigen Stand der Dinge noch gar nichts.

Für die US-Regierung hingegen ist die Fusion eine klare Niederlage. Seit fast einem Jahr bemühte sich das Pentagon, eine Konsolidierung innerhalb Europas zu verhindern und setzte sich für transatlantische Zusammenschlüsse und Allianzen ein. Erst im Dezember warnte der Einkaufschef des Pentagon, Jacques Gansler, davor, das Enstehen einer "Festung Amerika" und einer "Festung Europa" könnte dazu führen, dass sich am Ende beide um Rüstungsaufträge für die Dritte Welt reissen werden. Und am Donnerstag erklärte das Pentagon bereits, das Modell "Festung Europa" könnte die transatlantische Zusammenarbeit unterlaufen, weil die Entwicklung der amerikanischen und europäischen Militärtechnologie nun getrennte Wege gingen.

Auch wird vor Gefahren bei gemeinsamen militärischen Operationen wie zuletzt im Kosovokonflikt gewarnt. Das Modell könnte nicht zuletzt den Wettbewerb unterminieren, gab das Pentagon zu bedenken, wenn europäische Firmen nun fortan aus politischen Erwägungen möglicherweise bei der Auftragsvergabe bevorzugt würden. An den Börsen warnen die Analysten derweil vor zu hoch gesteckten Erwartungen. In den USA hätten sich Rüstungsfusionen für den Anleger noch nicht ausgezahlt.

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