Wirtschaft : Angst vor einem zu schnellen Aufschwung Maschinenbau befürchtet Finanzierungsengpässe

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(ro). Der deutsche Maschinenbau rechnet nach drei mageren Jahren 2004 wieder mit Wachstum. Die Produktion soll dann um zwei Prozent zulegen, während sie 2003 um zwei Prozent schrumpfen wird. Zugleich aber fürchtet Diether Klingelnberg, Präsident des Branchenverbandes VDMA, einen zu „schnellen und zu starken“ Aufschwung. Der Grund: Viele Firmen verfügen über zu wenig Geld, während sich die Banken bei der Kreditvergabe zurückhalten. In der Folge könnten etliche Maschinenbauer die Ausweitung der Produktion zur Erledigung der zusätzlichen Aufträge gar nicht finanzieren. Es würde sogar Zahlungsunfähigkeit drohen. „Zehn bis 15 Prozent unserer Firmen würden diese Phase nicht überleben und wären pleite", sagte Klingelnberg am Mittwoch in Frankfurt. „Diesmal wird der Liquiditätsengpass so schlimm wie nie zuvor."

Trotz dieser Bedenken sehen die Maschinenbauer Licht am Ende eines „langen“ Tunnels. Der Aufschwung werde 2004 aber nur dann kommen, wenn es endlich zu konkreten Reformen etwa auf dem Arbeitsmarkt komme, schränkte Klingelnberg ein. 2002 war die MaschinenbauProduktion um knapp vier Prozent geschrumpft, in diesem Jahr wird sie noch einmal um zwei Prozent zurückgehen, nachdem der VDMA Anfang des Sommers noch von Stagnation ausgegangen war. Die Fabriken sind derzeit nach Angaben von Klingelnberg nur noch zu 82 Prozent ausgelastet, so niedrig wie zuletzt im Herbst 1994. Deshalb wurden im ersten Halbjahr 15000 Arbeitsplätze gestrichen, bis Ende des Jahres werden es 25000 sein, so dass die Branche dann noch 875000 Personen beschäftigt.

Neben dem Reformstau und der Steuerlast in Deutschland klagt der Maschinenbau auch über den starken Euro. Die Schmerzgrenze liege bei 1,10 Dollar, jetzt stehe der Euro schon wieder bei fast 1,15 Dollar. Klingenberg fürchtet, dass er noch auf 1,25 steigt. Insofern würde es auch der VDMA begrüßen, wenn die Ungleichgewichte bei den Wechselkursen durch entsprechende Schritte in China und Japan allmählich wieder aufgehoben würden. In China wären dann deutsche Maschinen billiger. Schon jetzt ist das Land für die deutschen Hersteller der drittstärkste Markt. Im ersten Halbjahr legten die Exporte nach China um 36 Prozent zu, auch Japan verzeichnete deutliches Wachstum. Aber insgesamt läuft die Ausfuhr in diesem Jahr auch nicht so, wie es sich der VDMA erhofft hatte.

Klingelnberg warnte im Übrigen vor einer weiteren Abwanderung von Firmen ins Ausland. Schon jetzt fließe jeder siebte vom Maschinenbau investierte Euro ins Ausland. Und mit 259000 Beschäftigten würden derzeit rund 42 Milliarden Euro jenseits der Grenze umgesetzt. Derzeit überlege jeder zweite Maschinenbauer, künftig mehr im Ausland zu fertigen.

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