Wirtschaft : Angst vor Irak-Krieg lässt den Ölpreis steigen

Auch Benzin ist bereits teurer geworden / Die Opec-Staaten denken bereits darüber nach, die Fördermenge zu erhöhen

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Berlin (fw). Ein längerer Krieg im Irak würde die deutsche Wirtschaft stark unter Druck setzen. „Sollte der Ölpreis drei, vier Monate zwischen 30 und 40 Dollar pro Barrel liegen, dann würde das die Konjunkturaussichten verdüstern“, sagte GustavAdolf Horn, Konjunkturexperte vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Schon jetzt lässt die Angst vor einem Krieg den Ölpreis stark steigen: Der Rohölpreis für die Nordsee-Sorte Brent durchbrach vergangene Woche erstmals in diesem Jahr die Marke von 30 Dollar je Barrel (159 Liter). Das Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) war vergangene Woche mit einem Preis deutlich über 29 Dollar je Barrel sogar teurer als nach den Anschlägen in den USA im September 2001.

Die Opec möchte den Ölpreis eigentlich innerhalb einer Preisspanne von 22 bis 28 Dollar halten und passt ihre Fördermenge dementsprechend an. Wegen der Kriegsangst sind Unternehmen bereit, mehr Geld für Rohöl zu zahlen – diese Spekulationen an den Ölmärkten treiben die Preise in die Höhe. „Im Ölpreis steckt derzeit eine Kriegsprämie von vier bis acht Dollar“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst aus Hamburg. Dass US-Außenminister Powell sich vergangene Woche negativ über den Rüstungsbericht aus dem Irak geäußert hat, hat die Anleger nervös gemacht. Das Opec-Mitgliedsland Katar warnte vor überzogenen Reaktionen. „Wir beobachten den Markt sehr genau, wir sollten nicht in Panik verfallen“, sagte Energieminister Abdullah Hamad Al Attiyah in Doha. Schon am Mittwoch hatte Opec-Generalsekretär Alvaro Silva Calderón Spekulanten für den hohen Ölpreis verantwortlich gemacht, der durch die fundamentalen Marktdaten nicht gedeckt sei. „Wenn wir uns die derzeitige Nachfrage am Weltölmarkt betrachten, sehen wir nur eine leichte Steigerung. Das zeigt uns, dass andere Faktoren die Preise beeinflussen“, hatte Calderón betont.

Erdölangebot ist knapp

Sollte der Preis weiter steigen, werden die Opec-Staaten die Fördermenge erhöhen, sagte der saudi-arabische Ölminister Ali Naimi am Samstag in Kairo. Zusätzlich zu der Nervosität an den Märkten treibt der seit Wochen andauernde Streik in der venezolanischen Erdölindustrie den Preis nach oben, da dieser das Erdölangebot verknappt. Die venezolanische Erdölförderung ist die fünftgrößte der Welt – und momentan sind 90 Prozent der Förderkapazitäten stillgelegt.

Allerdings gehen Experten davon aus, dass der venezolanische Streik den Preis nur kurzfristig treiben wird. Und selbst wenn der Irak während eines Krieges als Erdölförderer aussetze, sei das kein Problem. „Wir können leicht auf andere Erdöl fördernde Regionen wie Russland, Algerien oder Nigeria ausweichen“, sagt Manfred Horn, zweiter Ölpreisexperte beim DIW. Sollte ein möglicher Krieg schnell beendet sein, gehen die Experten von keinen dramatischen Preisaufschlägen aus. „Dann ist der Preis auch nach dem psychologischen Effekt schnell wieder unten“, sagt Bernd Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv. Nur wenn der Krieg länger andauert, und auch Saudi-Arabien seine Erdölproduktion drosselt, könnte es ein Versorgungsproblem geben. Saudi-Arabien ist mit einer Fördermenge von bis zu zehn Millionen Barrel täglich der wichtigste Erdölexporteur der Welt.

Bei einem Krieg gehen die Experten von Ölpreisen zwischen 30 und 40 Dollar aus. Steigt er dramatisch und über einen längeren Zeitraum, wird die Wirtschaft auf jeden Fall darunter leiden, meint DIW-Experte Horn: „Das würde einen Kostenschub für die erdölabhängige Industrie bedeuten, die Kaufkraft verringern und die Konjunktur drücken.“ Betroffen wären vor allem die Branchen, die stark vom Öl abhängen, wie die Luftfahrt und die Chemie.

Schon jetzt machen sich die hohen Ölpreise auch für die Verbraucher bemerkbar – denn die Benzinpreise sind ebenfalls nach oben gegangen. Nach mehreren Preiserhöhungen kostet der Liter Superbenzin im Bundesdurchschnitt etwa 1,07 Euro und damit rund vier Cent mehr als im November. Die Ölpreiserhöhungen würden sich ohne Verzögerung auf die Benzinpreise auswirken, sagte ein Sprecher der Aral.

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