Wirtschaft : Angst vor schwachem Euro überflüssig

Studie: 14 EU-Länder haben stabile Finanzlage / Auch in Italien keine "Inflationsmentalität" mehr BERLIN (fbs).Der Weg zum Euro ist lang.Die Assoziation für die Europäische Währungsunion (AMUE) begleitet den Prozeß hin zur EWU bereits seit zehn Jahren in dem Lager, das unmittelbar von der Währungsumstellung betroffen ist - den Unternehmen und Banken.Doch wird die Währungsunion auch stabil bzw."nachhaltig" sein? Die AMUE veröffentlicht zu diesem Thema eine Studie, die dem Tagesspiegel in Auszügen bereits vor der offiziellen Veröffentlichung am kommenden Mittwoch vorliegt. Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit sind nicht nur entscheidend bei der Auswahl der künftigen Mitglieder der EWU, sondern auch für den langfristigen Erfolg der neuen Währung, so die Untersuchung.Das werde bei der öffentlichen Debatte um die Konvergenzkriterien - Preisstabilität, Staatsschulden, Wechselkurse und Zinsniveau - oft übersehen.Auch in Deutschland habe sich die Diskussion "zu sehr festgebissen an den 60 Prozent" (der in den Konvergenzkriterien festgelegten Obergrenze der Staatsschulden eines Beitrittslandes), meint Stefan Collignon, Direktor für Forschung und Kommunikation der AMUE. Entscheidend für die Nachhaltigkeit der Währungsunion wird mittel- bis langfristig die Kaufkraft des Euro sein.Kurzzeitige Schwankungen, verursacht etwa durch eine Wirtschaftskrise, könnten das Bestehen einer einheitlichen Währung nicht gefährden, so die Studie.Die mittelfristige Stabilität des Euro werde entscheidend von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, von der Entwicklung der Nominallöhne und von den Staatsschulden abhängen, sagen die Euro-Experten der AMUE.Die Geldpolitik der EWU bekomme von institutioneller Seite optimale Unterstützung.Dadurch könne die Europäische Zentralbank das Ziel der Preisstabilität mittelfristig erreichen.Die Entwicklung der Arbeitsmärkte und besonders der Lohnstückkosten in den letzten Jahren waren nach der AMUE-Studie erfolgversprechend.Mit Ausnahme von Griechenland war die Entwicklung in allen EU-Ländern konvergent, Stabilität sei in diesem Bereich erzielbar oder bereits erzielt.Eine Ausnahme sei auch Portugal, wo es in den frühen 90er Jahren einen "Schock" durch die Abwertung des Escudo innerhalb des Europäischen Währungssystems gegeben hatte.Doch seither schätzt die Assoziation in diesem EU-Land die Situation als stabil ein.Auch im "anderen kritischen Land", Italien, seien Arbeitsmarktentwicklung, Firmenpolitik und Preispolitik auf stabilem Niveau.Es gebe auch hier keine "Inflationsmentalität mehr", so Collignon.Insgesamt stagniere die Enwicklung der Lohnstückkosten in allen EU-Staaten bei um die Null Prozent.Damit gerate die Europäische Zentralbank in Franfurt (Main), wenn sie dann im Laufe des Jahres ihre Arbeit aufnehme, weniger unter Druck, da sie sich nicht mehr gegen Inflation sperren müsse.Dies könnte wiederum bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit helfen, so Collignon. Die Fiskalseite der EU-Länder durchleuchtete die Assoziation besonders genau."Tragfähige Finanzlage" - was bedeutet das? 14 Länder erfüllen nach Ansicht der Euro-Experten der AMUE das Kriterium.Und das sowohl in der jüngsten Vergangenheit, als auch für die nächsten fünf Jahre bis zur Einführung der Euro-Münzen im Jahr 2002.Anfang der 90er Jahre habe es zwar "Riesenprobleme" in allen Ländern gegeben, räumt Collignon ein - auch in Deutschland.Auslöser war unter anderem die Strukturkrise in der Folge des Golfkriegs und die Geldpolitik, die in Deutschland nach der Wiedervereinigung zur Inflationsbekämpfung nötig wurde.Doch die EU-Länder hätten ihre Hausaufgaben bei der Haushaltspolitik gemacht, so Collignon. Die Studie kommt zu dem Schluß, daß man bei 14 von 15 Ländern "mit gutem Gewissen sagen kann, daß durch die Entwicklung, wie sie jetzt angelegt ist, die Nachhaltigkeit der Konvergenz gesichert ist." Auch beim 15.Land, Griechenland, sehe man Fortschritte, auch wenn die Aussage aufgrund statistischer Lücken in den 80er Jahren nicht so vertrauensvoll sein könne.Insgesamt sei es "nicht abwegig" davon auszugehen, daß "alle 15 EU-Mitgliedsländer noch vor Mitte des nächsten Jahrzehnts auch Mitglieder der Europäischen Währungsunion sein werden".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar