Anklage fordert vier Jahre Haft : Bank-Azubi zweigte Kundengelder ab

Als Lehrling in einer Bank räumte ein junger Mann Hunderttausende Euro von Kundenkonten ab. Seine Anwältin hält ihn naiv und unreif - und fordert eine Bewährungsstrafe.

Ein ehemaliger Azubi der Commerzbank soll fast 340.000 Euro von Kundenkonten abgezweigt haben und dafür nach dem Willen der Staatsanwaltschaft vier Jahre in Haft. Der 24-Jährige hatte zugegeben, gemeinsam mit Komplizen Geld von Konten abgeräumt zu haben.

Staatsanwalt Peter Lintz sprach am Dienstag vor dem Landgericht Mannheim von einem „Bankraub 2.0“, weil sich die Bande im Internet gefunden und abgesprochen hatte. Die Verteidigerin beschrieb den Angeklagten als naiv und forderte eine Bewährungsstrafe.

Die Komplizen des 24-Jährigen saßen vor allem in Österreich, kennengelernt hatte er sie im Internet. Bereits kurz nach Beginn seiner Ausbildung habe er sich dort „herumgetrieben“ und sei schnell fündig geworden, sagte Staatsanwalt Lintz. Der Azubi spähte Zugangsdaten von Kollegen aus. Unter anderem über neu beantragte Zugänge für Online-Banking und EC-Karten kam die Bande an das Geld.

Lintz stufte den Tatbeitrag das 24-Jährigen als erheblich ein, „denn ohne seinen Beitrag hätten sie die Taten nicht begehen können“. Die Verteidigerin beschrieb ihren Mandaten als unreif, er sei instrumentalisiert worden. „Meinem Mandanten ging es in erster Linie um ein Abenteuer, aber auch um Anerkennung“.

Für einen mitangeklagten Komplizen, der unter anderem an den Abhebungen größerer Summen an Geldautomaten beteiligt war, forderte Lintz zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Die Verteidigerin des 26-Jährigen hält eine Bewährungsstrafe zwischen 21 und 24 Monaten für angemessen.

Beide Angeklagten beteuerten, dass sie ihre Taten bereuten und baten um Entschuldigung. Das Urteil soll am Dienstag kommender Woche verkündet werden. (dpa)

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