Wirtschaft : Anklage gegen Mobilcomgründer

Staatsanwälte werfen Gerhard Schmid Untreue in 22 Fällen vor

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Berlin (Tsp). Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Anklage gegen den Gründer und früheren Vorstandschef der Mobilcom AG, Gerhard Schmid, erhoben. Der Vorwurf laute auf Untreue in 22 Fällen von Juli 2001 bis Januar 2002, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Montag. Nun müsse die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kiel über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. „Wir haben unsere Schularbeiten gemacht“, sagte Wick.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat Schmid seine Sorgfaltspflichten als Vorstandsvorsitzender verletzt. Schmid hatte im Sommer 2001 ein umstrittenes Aktienoptionsgeschäft zwischen Mobilcom und der Firma Millennium veranlasst. Die Firma Millennium gehört Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram. Inhalt des Geschäfts: Millennium sollte Mobilcom Aktien für ein Händlermotivationsprogramm zur Verfügung stellen. Dafür kassierte Millennium 70 Millionen Euro.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schmid nun vor, die Zahlungen an Millennium zunächst ohne vertragliche Grundlage veranlasst zu haben. Auch hätte den Zahlungen nur eine unzureichende Sicherung des Vermögens gegenübergestanden. „Ferner wird ihm vorgeworfen, für ein nicht ausgeglichenes Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung, wie sonst bei Dritten üblich, gesorgt zu haben, da geschäftsführende Gesellschafterin der Millennium GmbH die Ehefrau des Angeschuldigten war“, teilte der Oberstaatsanwalt mit. Das Vermögen der Mobilcom soll auf diese Weise um mindestens 16 Millionen Euro geschädigt worden sein.

In einer ersten Reaktion teilte der Kieler Strafrechtsprofessor Erich Samson, der Schmid nach eigenen Angaben in diesem Verfahren vertritt, mit, er sehe „den Vorgang als eine komplizierte Frage der rechtlichen Bewertung von Aktienoptionsgeschäften an“ und werde beantragen, die Anklage zurückzuweisen.

Das umstrittene Aktienoptionsgeschäft war auch ein wesentlicher Bestandteil des Streites zwischen Schmid und France Télécom. Der französische Konzern hält 28,5 Prozent der Anteile an Mobilcom. Ursprünglich hatten sich die Franzosen bereit erklärt, gemeinsam mit Mobilcom ein Netz für die neue Mobilfunktechnik UMTS in Deutschland zu errichten und es zu betreiben. Ohne das Geld von France Télécom hätte Mobilcom weder die teure Lizenz noch den Netzaufbau finanzieren können. Doch dann wurde auch bei den Franzosen das Geld knapp und sie wollten ihre Ausgaben strecken. Das wollte Schmid nicht akzeptieren. Der Streit eskalierte derart, dass die Franzosen ihre Zahlungen ganz einstellten und Mobilcom damit an den Rand der Pleite geriet.

Schmid musste seinen Posten als Vorstandschef räumen. Doch er ist immer noch größter Aktionär des Unternehmens. Seine Anteile werden treuhänderisch verwaltet. Er musste inzwischen private Insolvenz anmelden. France Télécom und Mobilcom haben sich – unter Vermittlung der Bundesregierung – mittlerweile geeinigt: Die Franzosen haben die aufgelaufenen Kosten des UMTS- Engagements übernommen, Mobilcom wird UMTS nun nicht wieter betreiben.

Doch Schmid gibt keine Ruhe. Er hat den früheren Finanzchef und heutigen Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz bei der Kieler Staatsanwaltschaft angezeigt. Sein Vorwurf: Grenz habe von dem umstritten Aktienoptionsgeschäft gewusst. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat noch keine Anklage gegen Grenz erhoben. Mobilcom hält die gegen Grenz erhobenen Vorwürfe für unbegründet.

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