Wirtschaft : Anlage-Tipp: Biotech-Aktien sind nichts für schwache Nerven

Katharina Kort

"Biotechnologie funktioniert anders als Internet", sagt Kris Jenner, Portfolio Manager der Vermögensverwaltungsgesellschaft T. Rowe Price Associates aus Baltimore. Biotechnologiewerte werden zwar derzeit genauso heiß gehandelt wie noch bis zum Frühling die Internetwerte - der amerikanische Biotechnologie-Index BTK stieg von 200 im Frühjahr 1999 auf zwischenzeitlich 800 im September dieses Jahres - dennoch haben die beiden Bereiche wenig gemeinsam. Die Entwicklung von Medikamenten dauert Jahre. "Das ist etwas anderes als mal eben eine Internetseite aufzumachen", sagt Jenner. Nach Studien von T. Rowe Price wird nur jedes fünfte Medikament von denen, die die erste von drei klinischen Testphasen beginnen, als Patent angemeldet. Und diese Unsicherheit schlägt sich auch in den Aktienkursen der Unternehmen nieder, die häufig extrem schwanken, je nachdem, ob gerade ein Medikament aus den Tests herausfällt oder eine neue Entwicklung die ersten Hürden überwunden hat. Daher sollten Anleger, die bei Kurseinbrüchen von 50 Prozent nicht mehr schlafen können, die Finger von der Branche lassen.

Med-Immune und Idec Pharmaceuticals gehören zu den Favoriten der Investment-Bank J.P. Morgan. Analyst Andrew Milne findet Med-Immune interessanter als die Gen-Klassiker Genentech, Amgen und Biogen. "Amgen ist für viele Anleger so etwas wie ein sicherer Hafen, wenn es stürmisch wird", meint Milne. Meirav Chorav, Analystin der Investment-Bank Salomon Smith Barney, schätzt Amgen sehr, trotz des ausstehenden Urteils in einem Patentstreit. Der unklare Ausgang belastet den Aktienkurs, und so rät der Analyst Eric Hecht von Merrill Lynch derzeit nicht zum Kauf. Bei Biogen, ebenfalls einem Klassiker der Biotech-Branche, könne sich ein Kauf langfristig wieder lohnen. "Die BiogenAktie ist die letzten sechs Monate schlecht gelaufen und stellt unserer Meinung nach derzeit einen attraktiven Wert dar", meint Hecht.

Viele Analysten setzen weiterhin auf den Biotechnologie-Oldie Genentech. "Die haben die beste Pipeline", sagt Eric Schmidt von SG Cowen Securities und bezieht sich damit auf die Produkte, die noch in der Entwicklungsphase sind. Genentec hat bereits einige Produkte auf dem Markt, im Juni nächsten Jahres sollen zwei weitere hinzukommen. Nach Ansicht von Analystin Chorav könnten die Medikamente der ersten Generation allerdings schon bald Konkurrenz bekommen.

"Nur wer Zeit hat, die Unternehmen zu verfolgen, sollte auf einzelne Werte setzen" meint Eric Schmidt von SG Cowen Securities. Wer die nicht hat, sollte lieber einen Biotechnologie-Fonds wählen. Denn es gibt Hoffnung für die kommenden Jahre: Der Franklin Templeton Biotech Discovery Fund geht davon aus, dass sich die Zahl der profitablen Biotech-Unternehmen von derzeit 15 bis zum Jahr 2002 mehr als verdreifachen wird.

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