Wirtschaft : Anlageberatung: Gute Beratung gibt es nicht zum Nulltarif

Henrik Mortsiefer

Die Ratlosigkeit der Anleger ist groß: Nach dem Absturz der Aktienkurse fragen sich viele, wie sie ihre in Schieflage geratenen Depots wieder ins Lot bringen können. Die meisten haben erkannt, dass mit der Do-it-yourself-Methode an den Börsen zuletzt kaum etwas zu verdienen war. Und auf die Beratungsleistung der Banken will sich auch kaum noch jemand verlassen. Die Tipps der Banker haben sich allzu häufig als clevere Marketing-Gags erwiesen.

Hilfe erhoffen sich Rat suchende Anleger von unabhängigen Finanzberatern, die die Marktlücke erkannt haben und ihre Dienste gegen Honorar anbieten. Der Charme der Honorarberatung liegt auf der Hand: Der Experte stellt dem Anleger nur seine Leistung in Rechnung, kassiert bei der Vermittlung eines Anlageproduktes aber nicht zusätzlich eine Provision. Der Haken: Gute Beratung kostet Geld. Stundensätze zwischen 200 und 400 Mark sind die Regel. Wer sich einen ausführlichen Finanzplan erstellen lässt, darf mit einem Honorar ab 3500 Mark kalkulieren. Das lohnt sich nur bei größeren Anlagesummen. Doch auch Kleinanleger, die keine Million investieren können, werden bei den Honorberatern fündig. Auch die Direktbanken, die bisher auf jede Beratung verzichteten, haben den Trend erkannt. So bietet die Münchner Direkt Anlage Bank (DAB) Zugriff auf eine Datenbank von 100 von der Bank geprüften Finanzdienstleistern an. Einstiegssumme: 1000 Euro.

Schwierige Suche nach Qualität

Die Suche nach einem geeigneten Berater gestaltet sich allerdings schwierig. Inzwischen tummelt sich eine Vielzahl von Finanzagenturen und Vermittlern auf dem Markt. Und fast alle werben mit Gütesiegeln und Zeugnissen für ihre Qualifikation. Selbst Finanzprofis wie Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen verlieren da schon mal die Orientierung. "Es gibt keinen roten Faden, auf den sich Anleger in jedem Fall verlassen könnten."

Ganz ohne sachdienliche Hinweise müssen private Investoren aber nicht auskommen. So weist Bieler auf die Verbraucherzentralen hin, die - meist kostenpflichtig - bei der Vermögensanlage helfen: Vom Abendseminar bis zur individuellen Anlageberatung. Die Kosten für den Vermögens-Check liegen bei 100 bis 200 Mark. "Vernünftige Beratung kostet Geld", sagt Bieler. "Das müssen viele Anleger noch lernen."

Damit am Ende nicht zu viel bezahlt wird, sollten sich Sparer und Anleger an den gängigen Qualitätsnachweisen orientieren. Anhaltspunkte für eine solide Beratung liefert zum Beispiel eine Registrierung des Finanzdienstleisters beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen (BAKred) in Bonn. Seit 1998 muss jeder, der Finanzdienstleistungen "erwerbsmäßig erbringen will" eine Erlaubnis der Bankenaufsicht haben. Unter Aufsicht des Amtes stehen zurzeit bundesweit auch 731 so genannte Finanzportfolio-Verwalter, deren Namen das Amt im Internet unter www.bakred.de auflistet. Von den Aufsehern nicht beobachtet werden die etwa 11 000 in Deutschland tätigen Versicherungsvertreter, so genannte "gebundene Agenten", oder reine Anlagevermittler, wie die Fondsvermittler. Die Frage, warum die Aufsicht nicht ausgedehnt wird, reicht das BAKred an den Finanzminister weiter. "Das müssen Sie den Gesetzgeber fragen", sagt Sprecherin Sabine Lautenschläger-Peiter. Sie rät Anlegern, sich "so gut wie möglich" über Anlageformen zu informieren sowie Informationsquellen zu vergleichen. Ist ein Berater gefunden, sollte nachgefragt werden: "Wenn ein Finanzdienstleister nicht transparent erklärt, welche Anlagestrategie er verfolgt, sollte man misstrauisch werden."

Neben der BAKred-Registrierung geben eine Reihe von Qualifikations-Zertifikaten Hinweise auf eine solide Beratung. Zum Beispiel der Abschluss zum "Certified Financial Planner (CFP)". Etwa 450 Finanzplaner in Deutschland lassen sich unter der noch jungen Berufsbezeichnung einordnen. Das vom Deutschen Verband Financial Planners (DEVFP) verliehene und weltweit anerkannte CFP-Siegel erhält nur, wer an der European Business School im hessischen Östrich-Winkel den Studiengang Finanzökonomie abgeschlossen und die Eignungsprüfung des DEVFP bestanden hat. Eine Liste der Lizenz-Partner findet sich unter www.devfp.de .

Eine Alternative bietet der Bad Homburger Verband der Analysten für Investments und Finanzplanung - fee only. Der von Dietmar Vogelsang, dem Sachverständigen für Kapitalanlagen und private Finanzplanung, und 14 Kollegen getragene Verband (Tel.: 06172/920 040) legt Wert auf lupenreine Neutralität: "Nimmt einer unserer Partner direkt oder über Dritte Provisionen, fliegt er aus dem Verband", sagt Vogelsang. Der Name des Verbannten werde veröffentlicht.

Eine Garantie für Qualität stellen aber auch die Verbände nicht aus. "Anleger sollten die Wahl des Beraters nicht nur an einem Stempel festmachen, sondern etwa auf die Erfahrung des Anbieters Wert legen", sagt Verbraucherschützer Bieler. "Eine gute Note im Zeugnis schließt nicht aus, dass der Berater den Anleger auch intelligent über den Tisch zieht."

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