Wirtschaft : Anlagebetrüger: Banken warnen vor dubiosen Geschäftemacher

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Vor immer skrupelloseren und trickreicheren Anlagebetrügern hat der Bundesverband der deutschen Banken gewarnt. Die Interessenvertretung der privaten Geldinstitute gab am Mittwoch in Berlin bekannt, dass die Zahl der Betrugsdelikte im vergangenen Jahr gegenüber 1998 um sieben Prozent auf 16 510 Fälle gestiegen sei. Die Schadenssumme belief sich nach diesen Angaben auf 740 Millionen Mark.

Allerdings sind die erfassten Betrugsfälle laut Bankenverband nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer der nicht polizeibekannten Fälle liege weitaus höher, weil viele geprellte Anleger sich nicht bei den Behörden meldeten. Die Scham, hereingefallen zu sein, sowie die Tatsache, dass manches Mal unversteuertes Geld investiert wird, spielt dabei eine Rolle. Wer den Betrug anzeige, habe zwar gute Chancen, dass er aufgeklärt werde, doch kaum Aussicht auf Entschädigung. "Die meisten der Opfer sehen ihr Geld nie wieder", weiß der Bankenverband.

Im vergangenen Jahr versuchten dubiose Geschäftemacher unter anderem, Ängste der Bevölkerung vor einem schwachen Euro und Armut im Alter zu nutzen, um an das Geld der Anleger zu kommen. Darüber hinaus reichte das Spektrum obskurer Offerten von exotischen Aktien über heiße Terminspekulationen bis hin zu undurchsichtigen Immobilienprojekten. Ausgenutzt wird dabei in aller Regel die "Gier" der Anleger nach hohen Renditen und die Abneigung, Steuern zu zahlen. Die Banken haben deshalb einen Sieben-Punkte-Katalog veröffentlich. Sollte eines oder gar mehrere dieser Merkmale auf ein Angebot zutreffen, sollten die Anleger besondere Wachsamkeit walten lassen

Wenn Anbieter Kundenkontakte telefonisch knüpfen wollen, ist dies nicht nur höchst verdächtig, sondern auch gesetzlich verboten.

Alle Renditeversprechungen, die über fünf Prozent liegen, sind höchstwahrscheinlich unseriös.

Wird eine "Bankgarantie" als hoch rentable Kapitalanlage angeboten, sollte man davon die Finger lassen. Viele dieser Garantien sind Fälschungen, die versprochenen Sicherheiten auf einem "zweiten Kapitalmarkt" sind erlogen. Einen "zweiten Kapitalmarkt" gibt es nicht.

Vorsicht bei hohen Provisionen: Der eigene Gewinn spielt beim Anbieter offenbar eine größere Rolle als der des Kunden.

Werden exotische Länder als Geschäftssitz des Vertragspartners angegeben, können rechtliche Ansprüche nur schwer durchgesetzt werden. Die Werbung mit ausländischen Steueroasen ist ist meist nur ein Köder für Gutgläubige.

Setzt der Anbieter vermeintlich hoch gewinnträchtiger Geschäfte den Kunden unter Zeitdruck, ist oft etwas faul. Übereilte Entscheidungen führen häufig auf die Verluststraße.

Um potenzielle Anleger in Sicherheit zu wiegen, schütten gewiefte Betrüger aus einem ersten Kontrakt stattliche Gewinne aus. Zumeist wird dem Kunden danach aber ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme. Auch auf solche Offerten sollte man sich nicht einlassen.

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