Wirtschaft : Anlagedesigner im Euro-Fieber

JOACHIM HOFER

Laufend neue Produkte auf dem Markt / Indices und FondsVON JOACHIM HOFER BERLIN.Vor der Einführung des Euro können sich die Designer neuer Anlager-Produkte richtig austoben: Wöchentlich kommen Europa-orientierte Fonds auf den Markt, werden Anleihen auf die europäischen Aktien-Indices emittiert und verkünden die Börsen auf dem Kontinent neue Kooperationen.Einen enormen Schub können insbesondere Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Europa verbuchen: Sie erzielten im ersten Quartal des laufenden Jahres einen Zuwachs von 23,1 Prozent, in der Spitze sogar 37,7 Prozent. Wer bereits im Jahr vor der Euro-Einführung auf Aktien aus Europa gesetzt hat, gehört damit schon jetzt zu den Gewinnern der Europäischen Währungsunion.Im Jahresvergleich kletterten die entsprechenden Fonds nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Investment Gesellschaften (BVI) im Durchschnitt um 47,7 Prozent.Über zehn Jahre betrachtet erwirtschafteten die Fonds durchschnittliche Wertsteigerungen von 300 Prozent, über 20 Jahre 812 Prozent. Auf diesen offensichtlich höchst erfolgreichen Zug versuchen die Fondsgesellschaften immer weiter aufzuspringen.Vergangene Woche startete die zur Sparkassenorganisation gehörende Deka-Gruppe beispielsweise ihren Fonds Deka-Europa-Select, die dem Deutsche-Bank-Konzern verbundene DWS legte über ihre Luxemburger-Tochter den Euroland Small Cap Fonds auf. Um sich von den bestehenden Fonds abzuheben, lassen sich die Fonds-Schöpfer durchaus etwas neues einfallen.Der Euroland Small Cap zum Beispiel investiert vorwiegend in Aktien kleinerer Unternehmen, deren Marktkapitalisierung höchstens 5 Mrd.DM beträgt.Die Argumentation von Deutschlands Marktführer DWS, warum man gerade auf kleine Firmen setzen sollte: "Seit Anfang 1997 stiegen die Kurse der Nebenwerte um gut 61 Prozent - Blue chips dagegen um 78 Prozent." Die Schlußfolgerung: Die Kleinen haben ein erhebliches Nachholpotential.Eine ähnliche Strategie verfolgt auch der weltgrößte Fondsspezialist, die Fidelity Investments: In den Smaller Companies Fund nehmen die Manager Firmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 500 Mill.Dollar auf. Die meisten Fonds mit dem Schwerpunkt Europa haben zwar den Kontinent im Namen, unterscheiden sich in den Länder-Schwerpunkten aber erheblich: Ein Drittel der Aktien im Fidelity Small Companies Fund kommen aus Großbritannien.Der Euroland Small Cap dagegen investiert zunächst hauptsächlich in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Nicht alles, was unter dem Label Euro firmiert, ist eine Idee von heute.Der Allianz Fonds Aktien Europa hat in den vergangenen 20 Jahren um nicht weniger als 798,6 Prozent zugelegt.Der Eurorenta, ein Rentenfonds der DWS, feierte vergangenes Jahr zehnjähriges Bestehen und verzeichnete einen Wertzuwachs von 140 Prozent.Das Gros der Produkte blickt freilich auf eine kaum fünfjährige Geschichte zurück. Noch nicht annähernd so alt sind die jüngsten Produkte der Börsen selbst - und die Derivate, die sie mit sich ziehen.Als wichtigste Innovation des Jahres gilt unter Börsianern die Einführung der Stoxx-Indices durch die Bourse de Paris, die Schweizer Börse, die Deutsche Börse in Frankfurt (Main) und das Unternehmen Dow Jones.Der Name "Stoxx" ist dabei ein Kunstprodukt und lehnt sich an das englische "Stocks" (Anteile) an.Der breitgefaßte Dow Jones Stoxx umfaßt zur Zeit 665 Gesellschaften aus 16 Ländern und deckt Europa als Ganzes ab.Der Dow Jones Euro Stoxx enthält momentan 326 Gesellschaften der Länder, die ab 1999 an der europäischen Währungsunion teilnehmen werden.Zu beiden Indices gibt es jeweils einen Blue-chip-Index, der die 50 größten Firmen enthält. Eine ganze Reihe von Unternehmen hat auf die Einführung der Indices reagiert und Index-Zertifikate emittiert.Die Bankgesellschaft Berlin beispielsweise hat über ihre Tochter in Luxemburg Dow Jones Euro Stoxx 50 Zertifikate und sogenannte Berliner Bär Dow Jones Euro Stoxx 50 Zertifikate aufgelegt. Mit den neu aufgelegten Derivaten geht auch eine Neuordnung am europäischen Derivatenmarkt einher.Im Herbst werden die Deutsche Terminbörse (DTB) und die Swiss Options and Financial Futures Exchange zur Eurex zusammengelegt.Die Stoxx-Familie ist nicht der einzige neue Index.Vier Börsen berechnen zudem einen gemeinsamen Aktienindex aus den Werten des Neuen Marktes, des EURO.NM in Brüssel, des NMAX in Amsterdam und des Pariser Nouveau Marche.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar