Wirtschaft : Anlageentscheidungen im Vorfeld des Euro

HELMUTH STROTHMANN(Der Autor ist Mitglied des Vor

Nicht bange machen lassen, und nicht auf dubiose Angebote hereinfallenVON HELMUTH STROTHMANN(Der Autor ist Mitglied des Vorstandes der Berliner Bank)

Vier Monate vor der sehr wahrscheinlichen Einführung einer einheitlichen Währung in Europa steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung dem Euro noch immer skeptisch gegenüber.Sie befürchtet, die harte D-Mark gegen einen weichen Euro austauschen zu müssen.Diese zum Teil irrationalen Ängste werden gern von dubiosen Geschäftemachern ausgenutzt, um euroskeptische Kunden in vermeintlich sichere Anlagen zu locken, die meist erheblich höhere Risiken aufweisen, als die Einführung des Euro selbst. Es ist unbestritten, daß der Euro enorme Chancen bietet, aber auch Risiken nicht ausgeschlossen werden können.Für den Anleger ist es deshalb ausgesprochen wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich rechtzeitig und wohlüberlegt Anlageformen auszuwählen, die seiner individuellen Anlagementalität und seinen finanziellen Möglichkeiten entsprechen.Ohne Frage bietet sich der Kauf von Immobilien zur Realwertsicherung und damit zur Risikominderung bei befürchteten Inflationstendenzen an.Darüber hinaus haben die Immobilienpreise einen Tiefstand erreicht und die Finanzierungskosten sind nie günstiger gewesen. Es liegt also nahe, daß derjenige, der in seiner Lebensplanung in naher Zukunft den Erwerb einer Immobilie erwägt, dies angesichts der jetzigen großen Auswahl und der noch bestehenden steuerlichen Anreize möglichst bald tun sollte.Eine unkritische Umschichtung von Vermögenswerten in Sachwerte zur Abwehr von Inflationsrisiken kann aber auch erhebliche Gefahren bergen.Zum einen könnten die Inflationserwartungen nicht eintreffen.Die globalen und strukturellen Umstände sprechen eher für einen stabilen Euro: Die Europäische Zentralbank ist unabhängig und auf das Ziel Preisstabilität verpflichtet.Realwirtschaftliche Gefahren für die Preisentwicklung sind durch die zunehmende Globalisierung der Weltwirtschaft ebenfalls höchst unwahrscheinlich.Sollte es dennoch zu einer Inflationsbeschleunigung kommen, so würde der sofort einsetzende überproportionale Zinsanstieg die Wirtschaft in eine Rezession führen.Firmenpleiten und eine noch höhere Arbeitslosigkeit wären die Folge, und auch die Renditen für Immobilien würden in den Keller gehen. Ohne Frage ist auch ein Engagement in langfristig laufende deutsche Anleihen nicht ohne Risiko, wenn man von einer Inflationierung der Wirtschaft ausgeht.Steigende Preise würden den Zinssatz mit hochziehen, so daß Anleihen mit niedrigerer Verzinsung an Wert verlieren.Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß momentan die Zinssätze für langfristige Anleihen schon aus konjunkturellen Gründen sehr niedrig sind, somit bereits bei wieder anziehender Konjunktur ein gewisses Zinsänderungs- und damit Kursrisiko besteht.Der vorsichtige Anleger ist daher schon heute gut beraten, wenn er auf Titel mit kürzeren Laufzeiten ausweicht. Interessant sowohl für Euro-Skeptiker als auch -Optimisten dürfte ein Engagement in deutschen Aktien sein: Für denjenigen, der Inflationserwartungen hegt, wäre die Aktie durchaus eine weitere Möglichkeit der Realwertsicherung.Und jemand, der von einem stabilen und wachstumsstimulierenden Euro ausgeht, könnte die Aktienkursentwicklung noch dadurch begünstigt sehen, daß der dann entstehende große Währungsraum auch wieder ausländische Investoren anzieht.Ein Engagement in deutsche und ausländische Euro-Aktienmittel dürfte - bei vertretbaren Risiken - durchaus eine Alternative zur Umschichtung in Nicht-Euroanlagen darstellen.Nicht zuletzt gilt auch für die Einführung des Euro, daß man nicht alle Eier in einen Korb legen, sondern das Risiko streuen sollte.Nur Angst vor dem Euro ist ein schlechter Ratgeber.

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