Wirtschaft : Anlageverhalten: Fallende Aktienkurse behindern Vermögenswachstum

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Trotz des Salami-Crashs an der Börse in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres haben die Deutschen weiter kräftig in Aktien investiert. Allerdings wählten sie häufiger als noch 1999 den indirekten Weg über Investmentfonds, der Direkterwerb von Aktien ging wieder zurück. Die Überweisungen auf das Sparbuch schrumpften 2000 ebenso wie die Ausgaben für Versicherungen, berichtet die Deutsche Bundesbank in ihrem Juni-Bericht.

Niedrigere Sparquote

Dadurch sank die Sparquote gemessen am verfügbaren Einkommen der Bundesbürger im vergangenen Jahr auf 9,8 Prozent und damit auf den bisher tiefsten Stand. Vor zehn Jahren betrug die Sparquote noch knapp 13 Prozent. Insgesamt legten die Deutschen 250 Milliarden Mark auf die hohe Kante und damit absolut gesehen drei Milliarden mehr als 1999. Gleichzeitig stieg allerdings auch das verfügbare Einkommen von 2,49 auf 2,56 Billionen Mark. Für den Konsum gaben die Bundesbürger im Jahr 2000 rund 2,31 Billionen Mark aus.

Aus den Anlagen auf Sparbüchern zogen die Privathaushalte knapp 80 Milliarden Mark ab. In Versicherungen investierten sie zwar wieder 120 Milliarden Mark. Dies waren allerdings neun Milliarden weniger als 1999. Erstmals seit 1991 gaben die Bundesbürger weniger für Policen aus als im Vorjahr. Die Bundesbank begründet diese eher abwartende Haltung mit der anhaltenden Diskussion um die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge.

Zurückhaltung bei Aktienkäufen

Die Euphorie für Aktien ist 2000 verständlicherweise abgeklungen. Direkt gaben die Deutschen 23 Milliarden Mark für Aktienkäufe aus. 1999 legten sie noch 27 Milliarden Mark in Unternehmenstiteln an. Dennoch waren die Aktieninvestments 2000 noch deutlich höher als 1998, als nur acht Milliarden Mark direkt in Aktien gesteckt wurden. Nach wie vor setzten die Bundesbürger aber auf Investmentzertifikate. 118 Milliarden Mark flossen im vergangenen Jahr in Fonds nach 84 Milliarden Mark ein Jahr zuvor. Insgesamt entfiel 2000 mehr als die Hälfte der Geldvermögensbildung auf Wertpapiere. Damit gaben die Bundesbürger zum ersten Mal dafür mehr aus als für Sachanlagen wie etwa Immobilien.

Das Geldvermögen der Deutschen beziffert die Bundesbank per Ende 2000 mit rund 7,12 Billionen Mark. Davon lagen 2,42 Billionen bei Banken, 2,63 Billionen steckten in Wertpapieren und 1,69 Billionen entfielen auf Versicherungen. Nach Abzug der Schulden verfügten die Bundesbürger Ende 2000 netto über ein Geldvermögen von 4,19 Billionen Mark und damit über fast die gleiche Summe wie Ende 1999. Von 1998 auf 1999 war das Geldvermögen auch aufgrund des Aufschwungs an der Börse noch um mehr als 400 Milliarden Mark gestiegen.

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