Wirtschaft : Anlauf für die erste Hürde

Wie man sich auf das Gespräch mit der Bank richtig vorbereitet

Roland Koch

Zur Welt kommen Geschäftsideen manchmal an den kuriosesten Orten: beim gemeinsamen Bier in der Kneipe, beim Faulenzen in der Hängematte oder im Urlaub unter Palmen. Doch auch die beste Idee muss auf solide Beine gestellt werden – und da führt selten ein Weg an einer Bank vorbei. „Auf dem Weg zum eigenen Unternehmen sollte man sich schon vor dem ersten Gespräch dort in einigen wichtigen Punkten vorbereiten“, rät Elmer Staudt, der Existenzgründerexperte der Berliner Volksbank. Für die Planung und Vorbereitung solle man sich besonders viel Zeit nehmen. Denn ohne eine ausführliche Beschreibung der Gründungsidee, komme man über ein erstes Gespräch selten hinaus.

Die Idee. Zunächst gilt es, die Idee schriftlich festzuhalten. Beim Aufschreiben der Gedanken fallen einem oft noch Lücken oder Probleme auf. Darüber sollte man offen mit der Bank sprechen.

Die Person . Als nächstes sollte sich jeder Gründungswillige überlegen, ob er für ein solches Vorhaben auch geeignet ist. „Sie werden anfangs zum Beispiel oft eine 60- oder gar 70-Stunden-Woche haben“, sagt Staudt. „Da sollten Sie sich unbedingt darüber im Klaren sein, ob Sie selbst, Ihre Familie und Ihre Freunde diese Belastung tragen wollen und können.“ Überdies muss man auch besondere Fähigkeiten mitbringen. „Gerade betriebswirtschaftliches Know-how fehlt vielen Gründern“, weiß Staudt. „Das muss man unbedingt vor der Gründung erwerben oder zumindest wissen, wie man dieses Defizit ausgleichen kann.“ Eine kritische und sorgfältige Selbstanalyse steht deshalb vor der weiteren Planung.

Der Markt. Wenn die Frage nach der Gründerpersönlichkeit positiv beantwortet wurde, kann es an die Sondierung des Marktes gehen. Der Erfolg eines Unternehmens hängt davon ab, ob die Produkte oder Dienstleistungen, die man anbieten will, auch tatsächlich abgesetzt werden können. Dazu muss beispielsweise die Frage geklärt werden, ob es für das neue Angebot eine entsprechende Nachfrage gibt. Dazu gilt es, eine umfassende Marktanalyse zu erstellen: Welche Konkurrenzprodukte gibt es? Wo sitzen Mitbewerber? Kann ich attraktive Preise anbieten und dabei eine ausreichende Rendite erzielen? Wie werden die Kunden auf mich aufmerksam?

Die Finanzierung. Sieht man bei der Marktanalyse realistische Chancen, geht es an die Frage der Finanzierung. „Für nahezu jede Unternehmensgründung sind Investitionen erforderlich“, sagt Elmer Staudt. „Und seien es nur ein Computer, ein Schreibtisch und Visitenkarten.“ Der Existenzgründer müsse sich genau überlegen, was er finanzieren muss und wie er das finanzieren kann. Ob dazu eigenes Kapital reiche oder ob er einen Kredit brauche. Aber auch nach der Gründung muss man liquide bleiben. Miete, Telefon und Versicherungen sind feste Kosten. Den Lebensunterhalt muss man erwirtschaften und an die Altersvorsorge denken. „Außerdem gibt es bei jeder Gründung Überraschungen, die man finanziell auffangen muss“, sagt Staudt. Last not least sollte man sich jetzt schon über mögliche Fördergelder Gedanken machen, denn die müssen oft vor einer Gründung beantragt werden.

Das Wachstum. Letzter Planungspunkt sollte dann eine Vorausschau auf die nächsten Jahre sein. „Wo will ich mit meinem Unternehmen in fünf Jahren stehen?“ kann die entsprechende Frage lauten. Man muss hier nicht unbedingt an einen Rolls-Royce als Firmenwagen denken. Schon, wer das Potenzial für einen Mitarbeiter sieht, hat unter Umständen ein Erfolg versprechendes Programm – und kann sich anschließend an die Erstellung eines ausführlichen, schriftlichen Businessplans machen.

Weitere Infos im Internet:

www.berliner-volksbank.de/Existenzgründer

www.existenzgruender.de

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