Wirtschaft : Anleger fassen wieder Mut

Henrik Mortsiefer

Die Depression der Börsianer war nur von kurzer Dauer. Als der Dax am 13. Juni – die Fußball-WM war vier Tage alt – auf 5292 Punkte abrutschte, riefen die Pessimisten eine neue Aktien-Baisse aus. Doch es kam anders, der Trend drehte sich.

Am Freitag nahm der Dax die 5600-Punkte-Marke, und die Leichtigkeit, mit der die Kurse nach der Talfahrt steigen, lässt Banken und Analysten hoffen. Selbst die neuerliche Zinserhöhung in den USA am Donnerstagabend konnte die Anleger nicht mehr schrecken. Die Aussicht auf ein baldiges Ende der Zinserhöhungen, die sich aus den aktuellen Mitteilungen der Notenbank Fed ablesen lässt, gibt dem Dax Auftrieb. Spiegelbildlich zu den steigenden Aktienkursen fällt der so genannte V-Dax, der die Unsicherheit der Anleger und die erwarteten Kursschwankungen misst. 22 von Reuters befragte Banken erwarten für den deutschen Leitindex zum Jahresende im Schnitt einen Stand von 5975 Punkten. Das wäre, gemessen am aktuellen Stand, ein Plus von rund sechs Prozent.

Ob sich die Prognose bewahrheitet, wird nicht zuletzt von der Verfassung der US-Börse abhängen. Der Dow-Jones-Index, der im Juni ebenfalls mächtig unter Druck geriet, hat seinen Monatsverlust wieder wettgemacht. Jetzt darf spekuliert werden, wie sich die Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten entwickeln. Sicher ist, dass die US-Wirtschaft insgesamt an Kraft verliert und das starke Wachstum des ersten Quartals sich wohl nicht im Jahresverlauf fortsetzen wird. Auch die Inflationsgefahr ist nach dem drastischen Ölpreisanstieg noch nicht gebannt.

Andres Rüfli, Chefökonom der Schweizer Bank Hofmann, verweist in seinem Marktkommentar auf die Stärke der Euroland-Konjunktur, wonach „nun auch die Lichtblicke beim Konsum und am Arbeitsmarkt zugenommen haben“. Dahinter steht die Hoffnung, dass die europäische Wirtschaft künftig eine Lokomotive der Weltwirtschaft sein könnte. Das würde die Aussichten der exportstarken deutschen Konzerne verbessern.

Elf von den 30 im Dax notierten Unternehmen zeigten sich im Juni widerstandsfähig. Ihre Aktionäre konnten sich über Kursgewinne freuen. Die fielen freilich nicht besonders üppig aus. Am besten schnitt mit einem Plus von 4,9 Prozent noch die Deutsche Börse ab, die trotz der gescheiterten Fusion mit der Vierländerbörse Euronext im Fokus der Aufmerksamkeit stand. Auch Schering-Aktien liefen gut, nachdem Bayer im Übernahmekampf endlich freie Bahn hat.

Am Ende der Dax-Liste notierte die Aktie des Reifenherstellers Continental (minus 6,7 Prozent). Der WM-Sponsor war während des Kursaufschwungs der vergangenen drei Jahre Favorit der Anleger. Nun machen viele Kasse. Enttäuschend präsentierten sich auch Autoaktien. Durchwachsene Zulassungszahlen und der hohe Ölpreis machten den Kursen zu schaffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar