ANLEGER Frage : An Anke Sahlen Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank

Wie lange steigen die Kurse?

An Anke Sahlen
EZB-Präsident Mario Draghi hat nichts gegen einen schwachen Euro..
EZB-Präsident Mario Draghi hat nichts gegen einen schwachen Euro..Foto: Boris Roessler/dpa

Der Dax steigt auf immer neue Rekorde. Wann kommt die Korrektur?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit einem Anleihekaufprogramm begonnen, das pro Monat ein Volumen von etwa 60 Milliarden Euro (vor allem Staatsanleihen, Pfandbriefe, besicherte Wertpapiere) umfasst. Das Vorgehen kann mit einem riesigen „Staubsauger“ vergleichen werden, der den Anleihemarkt räumen und die Zinsen weiter nach unten drücken soll. Die Märkte haben bereits einige der zu erwartenden Preisbewegungen vorweggenommen. Die Anleihekurse haben neue Allzeithochs erreicht und der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar von rund 1,40 auf unter 1,10 abgeschwächt. Der „Rückenwind“ des schwächeren Euros und der extrem niedrigen Zinsen hat dazu beigetragen, dass sich europäische Aktien zuletzt besser entwickelt haben als US-Titel. Dies gilt vor allem für die im Dax vertretenen deutschen Standardwerte.

Bereits seit Ankündigung des EZB-Programms bewegt sich der deutsche Leitindex mehr oder weniger ohne Unterbrechung nach oben. Unterstützt wurde der Anstieg auch durch die Unternehmensgewinnentwicklung beziehungsweise die Entwicklung der Gewinnerwartungen in den letzten Wochen. Die Schätzungen der Analysten für die Gewinne europäischer Unternehmen waren im Umfeld wirtschaftlicher Schwäche über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich nach unten angepasst worden. Zuletzt haben sie sich aber den zweiten Monat in Folge verbessert. Durch die Euro-Schwäche haben europäische Exporteure Wettbewerbsvorteile erhalten, die sie nun zur Umsatz- und Gewinnausweitung nutzen können. Da das Neugeschäft erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in den Unternehmensbilanzen reflektiert wird, könnten positive Umsatz- und Gewinneffekte deutschen und europäischen Unternehmen auch in nächster Zukunft weitere Unterstützung geben.

Anhand gängiger Bewertungskennzahlen, wie einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von circa 14 und einer Dividendenrendite von circa 2,7 Prozent (auf Basis der für 2015 erwarteten Gewinne/Dividenden), erscheint der deutsche Aktienmarkt zwar ambitioniert, aber nicht zu hoch bewertet. Jenseits dieser fundamentalen Argumente erscheint eine temporäre Korrektur angesichts des jüngst sehr ausgeprägten Kursanstiegs nicht ausgeschlossen. Allerdings dürfte der Mangel an Anlagealternativen im Nullzinsumfeld Kursabschläge begrenzen. Es bietet sich daher an, investiert zu bleiben, aber die aktuell relativ niedrige Volatilität für teilweise Absicherungen zu nutzen und/oder den Anteil von Anlagen mit Kapitalsicherung im Portfolio zu erhöhen.

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