• ANLEGER Frage: an Björn Jesch Chefinvestmentstratege für vermögende Privatkunden der Deutschen Bank

ANLEGER Frage : an Björn Jesch Chefinvestmentstratege für vermögende Privatkunden der Deutschen Bank

Welche Chancen bietet 2012?

an Björn Jesch

Das vergangene Jahr hat viele Sparer und Anleger verunsichert, die Staatsschuldenkrisen im Euroraum und in den USA sind noch lange nicht überwunden. Wo sehen Sie 2012 die größten Chancen für Anleger? Wo tun sich die größten Risiken auf?

Das größte Risiko ist im aktuellen Umfeld eine einseitige Vermögensstruktur. Wer sein Geld ausschließlich in Spar- und Festgeldkonten oder Staatsanleihen investiert, ist nur scheinbar auf der sicheren Seite. Bei Anlagen hoher Bonität in den Euro-Kernländern wäre das Vermögen zwar weitgehend gegen ein Scheitern des Euros geschützt. Allerdings halte ich es für wahrscheinlicher, dass die Eurozone die Schuldenkrise überwindet. Zudem liegen die Renditen für Anlagen hoher Bonität unter der Inflationsrate, das Vermögen verliert also an Kaufkraft.

Bei Anleihen aus europäischen Peripherieländern sind die Zinsen hoch. Spitzt sich die Krise aber weiter zu, drohen weitere Herabstufungen durch die Ratingagenturen und Kursverluste. Anleihen von soliden Unternehmen halte ich da für interessanter.

Ein Teil des Vermögens sollten Anleger in Sachwerte investieren. Neben Immobilien denke ich dabei an Aktien und Rohstoffe. Viele Anleger setzten Rohstoffanlagen mit Gold gleich, vergessen aber, dass Edelmetalle keine Zinsen bringen und die Preise stark schwanken. Ich halte, obwohl ich mit höheren Preisen für Gold rechne, diversifizierte Investments in Rohstoffe für sinnvoller.

Eine breite Streuung ist auch bei Aktien wichtig. Gerade die Wachstumsländer in Asien und Lateinamerika kommen häufig zu kurz. Dabei ist in diesen Regionen die Verschuldung niedrig und das Wirtschaftswachstum hoch. Unternehmen mit starker Abhängigkeit vom Konjunkturverlauf in den Industriestaaten dürften unter den massiven Sparprogrammen leiden. Unternehmen, welche die dynamische Entwicklung in den Schwellenländern zu nutzen wissen, erscheinen hingegen attraktiv.

Allerdings dürften die Kursschwankungen bei Aktien und Rohstoffen auch im neuen Jahr hoch bleiben. Hier gibt es für konservative Anleger Möglichkeiten, mit Sicherheitspuffern zu investieren. So bieten bei Aktien die Dividenden, die in vielen Fällen höher sind als die Renditen von Anleihen, ein gewisses Polster.

Aber auch Zertifikate, denen Aktien oder Rohstoffe zugrunde liegen, können die hohen Schwankungen für die Erzielung von Renditechancen nutzen. Investoren sollten sich aber über die Funktionsweise solcher Instrumente informieren und auf die Bonität des Emittenten achten. Last not least glaube ich, dass ausgewählte Währungsanlagen eine gute Risikostreuung abrunden.

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