• ANLEGER Frage: an Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : an Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Wie legt man jetzt 35 000 Euro an?

an Claus-Günther Richardt

Ich will 35 000 Euro flexibel für drei bis fünf Jahre anlegen und strebe eine jährliche Rendite von rund fünf Prozent an. Bislang habe ich etwa 50 000 Euro fest verzinst angelegt. Welche Anlageformen empfehlen Sie?

Diese Vorgabe ist sehr ambitioniert und ohne persönliches Gespräch mit vielen Rückfragen seriös kaum zu beantworten. Tagesgeld ist flexibel, bringt derzeit aber nirgendwo fünf Prozent. Ebenfalls flexibel bei höheren Renditechancen sind Fonds oder Anleihen. Mit den Chancen auf höhere Renditen steigt aber auch das Risiko. Nicht umsonst dienen sichere deutsche Staatspapiere vielen internationalen Investoren in der aktuellen Schuldenkrise als „sicherer Hafen“. Dies drückt aber auf die Rendite: Bundesanleihen mit fünfjähriger Laufzeit rentieren derzeit mit knapp über zwei Prozent pro Jahr – vor Kosten!

Auch Inhaberschuldverschreibungen und Sparanlagen von Banken und Sparkassen bieten in diesem Laufzeitenbereich eine Verzinsung von jährlich 2,5 bis drei Prozent.

Neben dem Status Ihrer aktuellen Vermögenssituation müssten wir auch Ziele und Wünsche in Bezug auf Ihre Geldanlagen besprechen und vor allem Ihre Risikoneigung klären.

Sind Sie ein sicherheitsorientierter Anleger, der eine sehr konservative Anlagestrategie verfolgt, käme aus meiner Sicht zum Beispiel ein Mix aus Tagesgeld, Festzinssparen und einer Banken-Inhaberschuldverschreibung in Frage. Dabei wachsen die Zinserträge zwar nicht in den Himmel. Dafür gibt es Kapitalerhalt und geringe Wertschwankungen während der Laufzeit.

Anleger, die jährliche Erträge (Kupons) von vier bis fünf Prozent erzielen wollen, können zur Beimischung sogenannte Kapitalschutz-Zertifikate nutzen. Dies sind Banken-Inhaberschuldverschreibungen, die am Laufzeitende zu 100 Prozent des Nennwerts zurückgezahlt werden. Die Verzinsung dieser Produkte ist aber von der Entwicklung des Aktienmarktes oder der Entwicklung eines Referenzzinses, wie zum Beispiel dem Euribor, abhängig. Mit anderen Worten: die Kapitalrückzahlung ist sicher, die Zinszahlung und deren Höhe aber nicht, weshalb die Kurse dieser Papiere während der Laufzeit auch stärker schwanken können. Und es bleibt das Emittentenrisiko.

Für eine ausgewogene oder gar spekulative Anlagementalität, bei der man bereit ist, Kursrisiken bis hin zu möglichen Kapitalverlusten in Kauf zu nehmen, erweitert sich zwar die Palette von Anlagemöglichkeiten. Doch dazu ist nach den Erfahrungen der Finanzkrise eine Vielzahl von Anlegern nicht bereit und eine individuelle professionelle Beratung ist unerlässlich.

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