• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Bonuszertifikate jetzt verkaufen?

An Claus-Günther Richardt

Im Zuge der Turbulenzen an den Aktienmärkten ist die Barriere meines Bonuszertifikats gerissen. Was soll ich jetzt tun, halten oder verkaufen?

Mitte August meldete die Ratingagentur Scope, dass bei 21 Prozent der in Deutschland handelbaren Bonuszertifikate die Barriere verletzt wurde. Nach dem massiven Kursrutsch in den vergangenen Wochen dürfte sogar fast jedes zweite Bonuszertifikat dieses Schicksal teilen.

Bonuszertifikate sind spezielle Anlageinstrumente, die aber nur noch von wenigen Anlegern nachgefragt werden. Sie eignen sich prinzipiell gut für seitwärts laufende und steigende Märkte.

Zum Laufzeitende erhalten Sie als Anleger den Nominalwert der Papiere plus eine Bonuszahlung, wenn der Basiswert, in der Regel eine Aktie, während der Laufzeit nicht auf oder unter einen bestimmten Schwellenwert gefallen ist. Reißt diese Barriere, ist die Bonuschance vertan. Wertlos verfällt das Papier aber nicht. Es entwickelt sich fortan im Gleichklang zum Basiswert. Allerdings zahlen Bonuszertifikate keine etwaigen Dividenden, ein konstruktionsbedingter Nachteil gegenüber der Direktanlage in die Aktie.

Ihre Frage, ob Sie das Zertifikat mit gerissener Barriere im Depot halten oder verkaufen sollen, lässt sich pauschal nicht beantworten. Dies hängt im Wesentlichen von zwei Punkten ab: Ihrer Einschätzung, wie sich der Basiswert des Zertifikates entwickeln wird und der spezifischen Ausgestaltung des Produkts.

Ein plausibler Grund, das Zertifikat zu halten, wäre Ihre Hoffnung auf wieder steigende Kurse in der Zukunft. Dann könnte sich der Basiswert bis zur Fälligkeit wieder erholen. Wenn Sie die Verluste hingegen auf einem Tiefpunkt realisieren, wäre diese Chance vertan. Hier kommt es im Wesentlichen auf den Anlagehorizont des Zertifikats an: Je länger die Restlaufzeit ist, desto größer sind die Chancen auf zukünftige Kursanstiege.

Allerdings kann eine längere Kapitalbindung nach dem Prinzip „die Hoffnung stirbt zuletzt“ andere Chancen verbauen. Denn ein Verkauf eröffnet neue Handlungsspielräume für attraktivere Neuinvestments.

Kleiner Trost: Steuerlich lassen sich die realisierten Verluste mit Gewinnen aus anderen Anlagen verrechnen. Aber Vorsicht: Bei einigen Bonuszertifikaten, die bei Fälligkeit keinen Barausgleich, sondern eine Aktienlieferung vorsehen, kann zu langes Halten teuer werden. Wer erst dann verkauft, wenn die Aktien bereits geliefert wurden, kann diese Verluste nur noch mit Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien verrechnen.

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