• ANLEGER Frage: an Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : an Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Gelten noch die alten Börsenregeln?

an Claus-Günther Richardt

Haben eigentlich alte Börsenweisheiten heute noch Gültigkeit? Ich denke da an „Hin und her macht Taschen leer“ oder die Aussage, dass man Aktien kaufen, lange liegen lassen und dann mit Gewinn verkaufen soll?

Es war der 1999 verstorbene Börsenguru André Kostolany, der die Aussage prägte, man solle Aktien kaufen, sich dann sehr lange schlafen legen und wenn man dann wieder aufwache, könne man sich am Gewinn seines Investments erfreuen. Nun hat Herr Kostolany sich nie genau festgelegt, wie lange dieser Dornröschen- Schlaf denn dauern solle. Um sich dieser Fragestellung zu nähern, hat das Research unseres Hauses die rollierenden Zehn-Jahres-Renditen des Dax-30-Index über einen sehr langen Zeitraum untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die Regel trifft oft, aber nicht immer zu. In den 80er- und 90er-Jahren gab es keine Periode, in der Aktien über einen Zeitraum von zehn Jahren negative Ergebnisse erzielten. Aber gerade in jüngerer Vergangenheit, konkret 2008 und 2009, war die Zehn- Jahresrendite einer Anlage im Dax mit minus 0,5 Prozent beziehungsweise minus 1,5 Prozent leicht negativ. Aktuell liegt sie knapp über einem Prozent.

Was bedeutet das für die Gültigkeit der These von Kostolany? Bei der Vermögensanlage gehören Aktien trotz der aktuell schlechteren Performance ins Portfolio, denn sie sind weiterhin die renditeträchtigste Anlageform. Und man sollte langfristig anlegen, um Durststrecken überstehen zu können.

Die Börsenweisheit „Hin und her macht Taschen leer“ will Anleger davor bewahren, durch hektisches Kaufen und Verkaufen Geld zu verlieren. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass alle Börsentransaktionen mit Kosten verbunden sind. Dies können Provisionen, Courtagen oder allein die Geld-/Briefspanne, also die unterschiedlich hohen An- und Verkaufskurse von Wertpapieren sein. Diese Kosten müssen, etwa durch gutes Timing, erstmal verdient sein – und das gelingt leider den Wenigsten.

Amerikanische Studien zeigten sogar, dass aktive Trader eine im Schnitt um fünf Prozent niedrigere Rendite über einen Zeitraum von fünf Jahren erzielten als das Gros der Anleger. Eine Untersuchung des Fondsanbieters Deka belegt zudem, dass das Timing tatsächlich nur zu rund zwei Prozent zum langfristigen Anlageerfolg beiträgt. Über 90 Prozent des langfristigen Anlageerfolges resultieren aus einer guten Streuung der Anlagen.

Mein Tipp: Beherzigen Sie die Erkenntnis, auf der auch die moderne Portfoliotheorie fundiert und für die der US-Ökonom Harry Markowitz den Nobelpreis erhielt. Denn sie ist ganz einfach: Nicht alle Eier in einen Korb!

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