• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Was ist so gut wie Bundesschätze?

An Claus-Günther Richardt

Ich verwahre meine Bundeswertpapiere auf einem kostenlosen Schuldbuchkonto bei der Finanzagentur des Bundes. Nun habe ich gelesen, dass beides abgeschafft werden soll. Was soll ich tun und gibt es für mich Alternativen?

Von 2013 an wird der Bund keine Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze mehr auflegen. Zeitgleich wird der Vertrieb der Tagesanleihe an Neukunden und die Möglichkeit zum gebührenfreien Erwerb von Bundesobligationen eingestellt. Für Anleger, die derzeit Bundeswertpapiere in einem Schuldbuchkonto verwahren, besteht aber keine Notwendigkeit zu übereilten Entschlüssen. Die Konten können bis zur Fälligkeit aller darin verwahrten Papiere fortgeführt werden. Die Möglichkeit zur Übertragung börsennotierter Bundeswertpapiere in bestehende Konten endet allerdings am 21. August dieses Jahres. Neue Schuldbuchkonten können noch bis Ende des Jahres eröffnet werden.

Die Finanzagentur hat die Aufgabe des Geschäfts mit Privatanlegern „mit dem Gebot einer möglichst kostengünstigen Gestaltung der Kreditaufnahme des Bundes“ begründet. Diese Entscheidung des Bundesfinanzministeriums traf rund 330 000 Anleger mit Schuldbuchkonten bei der Finanzagentur sehr unerwartet. Anlegerschützer kritisieren, dass davon insbesondere Kleinsparer betroffen sind, die künftig für vergleichbare Anlagen Gebühren und Provisionen bei Banken und Sparkassen zahlen müssten.

Die Konditionen von Bundeswertpapieren haben allerdings schon geraume Zeit an Attraktivität eingebüßt. Bundesschatzbriefe bringen bei Laufzeiten von sechs und sieben Jahren nur 0,51 und 0,69 Prozent jährliche Rendite. Daher sind diese Anlagen derzeit bei den Deutschen auch nicht sonderlich gefragt, sie haben rund 8,5 Milliarden Euro beim Bund angelegt. Bei einem gesamten Geldvermögen von 4,7 Billionen Euro sind dies nicht einmal 0,2 Prozent.

Banken und Sparkassen bieten alternativ Festgeldkonten und Sparprodukte, übrigens ohne Gebühren oder Provisionen, und Inhaberschuldverschreibungen mit attraktiveren Konditionen bei vergleichbarer Sicherheit. Gerade nach der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank auf 0,75 Prozent sollten aber auch sicherheitsorientierte Anleger berücksichtigen, dass jede Verzinsung unter der aktuellen Inflationsquote von 1,7 Prozent langfristig Vermögen vernichtet. Inwieweit man deshalb auch etwas Risiko in sein Portfolio aufnimmt, muss jeder Anleger für sich entscheiden. Ich rate aktuell zu einer Beimischung solider Unternehmensanleihen beziehungsweise Fonds für Unternehmensanleihen, um die Rendite der Anlagen zu erhöhen.

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