• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Jetzt noch eine Immobilie kaufen?

An Claus-Günther Richardt

Die Immobilienpreise in Berlin sind in der letzten Zeit stark gestiegen. Habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst, um mir eine Immobilie zu kaufen? Was raten Sie mir?

Wer auf den richtigen Zeitpunkt wartet, kauft nie, heißt es unter Experten. Das Timing hängt vielmehr von persönlichen Faktoren ab. Haben Sie eine angemessene Eigenkapitalquote von 20 Prozent des Kaufpreises angespart? Sind Sie sich darüber im Klaren, wo und wie Sie leben möchten? Soll es eine Wohnung in der Stadt sein oder doch lieber ein Häuschen im Grünen? Wichtig ist auch, ob Sie sich die Immobilie dauerhaft leisten können – Stichwort Wohnnebenkosten. All dies sollten Sie klären, bevor Sie auf den Immobilienmarkt und die Preisentwicklung schauen. Denn der Kauf einer Immobilie ist eine Lebensentscheidung und muss gut und vorausschauend geplant werden.

Unabhängig von Ihrer persönlichen Situation beobachten wir drei Trends:

Trend 1. Die Nachfrage steigt. Im vergangenen Jahr sind in Berlin 20 Prozent mehr Immobilien gekauft worden, in diesem Jahr wird sich dieser Trend fortsetzen. Steigt die Nachfrage, steigt auch der Preis. Laut einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sind die Preise für Eigentumswohnungen in Berlin von 2003 bis 2011 um 39 Prozent gestiegen. Dennoch: Berlin ist mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2.240 Euro im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten noch ausgesprochen günstig.

Trend 2: Die Preisentwicklung betrifft nicht nur die Kaufpreise, sondern insbesondere auch die Mietkosten. Mittlerweile geben die Berliner laut Wohnkostenkarte des Immobilienverbandes ein Viertel ihres Einkommens für Miete aus – genauso viel wie die Münchner.

Trend 3: Die Finanzierungskosten für den Kauf der eigenen vier Wände sind momentan historisch niedrig. Die Konditionen für Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung sind mit durchschnittlich rund 2,7 Prozent Sollzins nach wie vor äußerst attraktiv. Und ein Ende der Niedrigzinsphase ist derzeit nicht in Sicht. Durch die Einbindung der staatlichen KfW-Förderbank können Sie Ihre monatliche Belastung sogar noch weiter senken.

Fazit: Sie müssen mehr für den Erwerb einer Immobilie ausgeben, schützen sich damit aber vor Mieterhöhungen. Die Zinslast ist extrem niedrig und ermöglicht Ihnen eventuell eine höhere Tilgung. Weitere Gründe dafür, die Pläne für die eigenen vier Wände nicht auf die lange Bank zu schieben: Wohneigentum macht unabhängig und kann einen großen Beitrag zur finanziellen Sicherheit im Alter leisten. Mietfrei im Alter wohnen ist doch eine beruhigende Perspektive.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben