• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Raus aus offenen Immobilienfonds?

An Claus-Günther Richardt

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen künftig nur solche offenen Immobilienfonds bestehen bleiben, die die Finanzkrise bisher überlebt haben. Verbraucher können dann nur noch in geschlossene Publikumsfonds in der Rechtsform einer AG oder Kommanditgesellschaft investieren. Sind geschlossene Fonds die bessere Alternative? Und sollte man jetzt aus offenen Immobilienfonds aussteigen?

Eine börsentäglich verfügbare Anlage in Immobilien, damit warben die Anbieter offener Immobilienfonds bis 2008 mit viel Erfolg. Denn bis dahin hatten viele Anleger schlechte Erfahrungen mit geschlossenen Immobilienfonds gemacht. Sie haben lange Laufzeiten, die Anteile sind kaum und nur mit Wertverlust verkäuflich.

In der Finanzkrise konnten aber auch die offenen Fonds das gegebene Versprechen nicht halten. Zu viele Anleger zogen ihr Geld ab, die Fonds konnten in der Krise ihre Immobilien aber nicht oder nur unter Wert verkaufen und waren deshalb nicht in der Lage, die Rückzahlungswünsche der Anleger zu bedienen. Viele Fonds mussten geschlossen werden und sind es bis heute. Dieses strukturelle Problem will der Gesetzgeber nun angehen und nur noch geschlossene Immobilienfonds neu zulassen. Bestehende, noch nicht geschlossene offene Fonds sind davon wohl nicht betroffen.

Die Wiederkehr der geschlossenen Fonds weckt aber auch die Erinnerung an die bisherigen Probleme mit dieser Anlageform: fehlende Transparenz und Handelbarkeit der Anteile, eine komplexe Rechtsform und Struktur der Fonds, die oft nur steuermotiviert waren.

Eine attraktive Alternative ist die Anlage in börsengehandelte Immobilienaktien. Diese Anlageform sollte in Deutschland 2007 durch die Einführung des steuerbegünstigten Reit, einer speziellen Form der börsennotierten Immobilien-AG, attraktiver gemacht werden. Praktisch ist der Versuch wegen der stark einschränkenden Regelungen bisher gescheitert.

Nicht steuerlich begünstigte börsennotierte Immobilien-AGs sind aber inzwischen recht erfolgreich und boten in den letzten Jahren auch eine attraktive Kursentwicklung. Sie haben vor allem einen Vorteil: Die Aktien können jederzeit über die Börse verkauft werden. Natürlich sind auch sie von allgemeinen Marktentwicklungen wie der Finanzkrise oder Zinsveränderungen betroffen.

Entscheidend ist, dass Immobilienanlagen, gleich ob direkt oder indirekt, eher langfristig gesehen werden sollten. Ob die Anteile an einem noch handelbaren offenen Fonds jetzt verkauft werden sollten, hängt also vor allem von der Qualität der Fondsimmobilien ab.

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