• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Warum ist der Dispozins so hoch?

An Claus-Günther Richardt

Trotz extrem niedriger Leitzinsen liegen die Dispozinsen bei vielen Banken und Sparkassen noch im zweistelligen Prozentbereich. Warum ist das so?

Dispozinsen seien billig verdientes Geld für die Banken, heißt es. Ist das wirklich so? Richtig ist, die Bank verdient am Dispozins. Billig verdientes Geld ist das allerdings nicht. Und die Differenz zum Leitzins entspricht nicht der Gewinnspanne der Bank.

Ein „normaler“ Ratenkredit kostet zwischen sechs und zehn Prozent. Aber der Dispo ist kein „normaler“ Kredit. Der Dispo hat weder eine vereinbarte Laufzeit noch monatliche Tilgungsraten. Einmal eingeräumt ist er für den Kunden jederzeit ohne Rücksprache mit der Bank frei verfügbar. Die Bank muss die notwendige Liquidität also dauerhaft am Kapitalmarkt beschaffen – ob die Summe nun abgerufen wird oder nicht. Zudem ist das Ausfallrisiko bei Dispositionskrediten wesentlich höher als bei abgesicherten Krediten. Und dafür verlangt der Kapitalmarkt höhere Zinsen.

Hinzu kommt: Der Dispo kann jederzeit kostenlos zurückgezahlt werden und Zinsen werden nur für die Dauer der Inanspruchnahme berechnet. Das sind durchaus werthaltige Vorteile für den Kunden. Und da er dem Kunden ohne Vereinbarung von Sicherheiten zur Verfügung gestellt wird, ist das Risiko für die Bank ungleich höher als bei jedem anderen Kredit. Ob Immobilienkredit oder Ratenkredit – wie viel Zinsen ein Kunde zahlt, ist auch von seiner Bonität abhängig. Der Dispozins ist dagegen für alle gleich. Auch das Risiko trägt die Bank. Alles in allem ist die Bereitstellung und Überwachung eines Dispokredits für die Bank also mit höheren Aufwendungen verbunden. Damit ist der Dispo – abgesehen von wenigen Anbietern, die mit betont niedrigen Dispozinsen Kunden gewinnen wollen – praktisch die teuerste Kreditart.

Und noch etwas: Der Dispo ist nicht als Dauerkreditangebot gedacht. Er soll lediglich kurzfristige Engpässe überbrücken. Leider viel zu oft wird der Dispo dauerhaft ausgeschöpft und führt dann natürlich zu unangemessen hohen Zinsbelastungen. Wenn dies über mehrere Monate der Fall ist, sollte die in Anspruch genommene Summe in einen günstigeren Ratenkredit mit fester Rückzahlung umgewandelt werden. Hier muss die Bank aktiv werden und auf günstigere Alternativen hinweisen.

Übrigens sind die Dispozinsen seit 2009 um rund zwei Prozentpunkte gefallen und Dispokredite machen in Deutschland etwa 1,5 Prozent aller Privatkredite aus. Der Löwenanteil von rund 75 Prozent entfällt auf die preiswerteste Kreditart, den Wohnungsbaukredit.

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