• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Wie attraktiv sind Schwellenländer?

An Claus-Günther Richardt

Um Schwellenländer als Anlageempfehlung ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Wie schätzen Sie die Chancen für Aktien- und Anleiheanleger in den Emerging Markets ein?

Die Chancen stehen gut, aber nur wenige Anleger nutzen sie bisher. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Schwellenländern sind deutlich stabiler als in den entwickelten Ökonomien. Bereits seit der Jahrtausendwende wächst die Wirtschaft dort stärker als etwa in Deutschland. Auch im laufenden Jahr wird das globale Wachstum wieder wesentlich von der Entwicklung in den Schwellenländern getrieben sein.

Dabei fußt der Antriebsmotor nicht allein auf dem Export. Eine junge Bevölkerung und der wachsende Mittelstand sorgen für einen soliden Inlandskonsum und steigende Steueraufkommen. Schließlich sind die Staatshaushalte in Schwellenländern im Durchschnitt deutlich stabiler. Heute liegt die Verschuldung dort unter 40 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, während sie in den G7-Ländern bereits deutlich über 100 Prozent liegt.

Der Anteil dieser Ökonomien an der globalen Wirtschaft ist inzwischen auf über ein Drittel angestiegen. Die Rentenmärkte machen bereits zehn Prozent der globalen Marktkapitalisierung aus. Bei den Aktienmärkten sind es bereits 30 Prozent. Daher ist es erstaunlich, dass ein Großteil der Anleger in Schwellenländern noch immer untergewichtet ist. Schauen Sie doch einmal in Ihr persönliches Wertpapier-Portfolio, ob sich diese Zahlen darin wieder- finden.

Wobei auch zwischen Aktien und Anleihen zu unterscheiden ist: Die Aktienmärkte sind nicht mehr so viel günstiger bewertet als die in Westeuropa oder den Vereinigten Staaten. Deshalb möchte ich das Augenmerk besonders auf Anleihen lenken. Ratingagenturen bewerten zum Beispiel die Kreditwürdigkeit von Abu Dhabi mit „AA“ deutlich besser als die von Italien, Spanien oder gar Portugal. Weil viele Staatshaushalte solider sind als die entwickelter Länder, bringen Staatsanleihen etwa von Brasilien oder Abu Dhabi deutlich höhere Renditen als die von Belgien oder Island.

Vorsicht ist allerdings bei der Auswahl der Anlage geboten. So werden Schwellenländer häufig als homogene Gruppe angesehen. Das ist gefährlich. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Investition ist eine genaue Betrachtung der einzelnen Zielländer. Denn die Wertentwicklung von Anleihen – aber auch Aktien – ist eng mit dem Land verbunden. Daher rate ich dazu, bei der Titelauswahl Experten hinzuzuziehen. Investieren Sie in Fonds oder Zertifikate, hinter denen Fachleute stehen, die sich intensiv mit Emerging Markets befassen.

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