• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Sind deutsche Aktien zu teuer?

An Claus-Günther Richardt

Im vergangenen Jahr hatte ich kein Vertrauen in Aktienmärkte und habe dadurch den Einstieg verpasst. Inzwischen hat der Dax fast die 8000-Punkte-Marke erreicht. Was raten Sie mir jetzt?

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man in den Vorjahren Verluste einstecken musste und nun von der positiven Entwicklung nicht profitieren konnte. Das ging vielen verunsicherten Privatanlegern so. Aber ich bin überzeugt, trotz Schuldenkrise und Konjunktursorgen bieten Aktien immer noch Gewinnpotenzial. Lassen Sie sich bei Anlageentscheidungen nicht zu sehr vom Blick zurück beeinflussen. Maßgeblich für den Anlageerfolg ist der Blick in die Zukunft: Sind Aktien noch günstig? Was treibt die Aktienmärkte? Und ganz besonders, wie harmonieren Aktien mit den anderen Anlagen in meinem Portfolio? Eine Anlage in Aktien ist ein strategisches Investment mit Blick auf eine langfristige Steigerung der Rendite.

Natürlich sind Aktien nicht mehr so günstig wie im vergangenen Sommer, wirklich teuer sind Dividendenpapiere aber immer noch nicht. In den letzten zehn Jahren hat der Dax beispielsweise ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 13,5 aufgewiesen. Aktuell liegt es bei 12 und weist damit auf ein Aufwärtspotenzial im zweistelligen Prozentbereich hin. Hinzu kommt, dass allein die Dividendenrendite der 30 größten deutschen Titel derzeit mehr als drei Prozent beträgt. Diese Rendite lässt sich mit Anleihen im Investmentgrade-Bereich derzeit kaum erzielen.

Und noch etwas spricht für Aktien: EZB-Präsident Draghi hat darauf hingewiesen, dass seine Institution Liquidität bereitstellen wird, solange es für die Beruhigung der Märkte notwendig ist. Ebenso handeln die Zentralbanken der USA und Japans. Und diese Mittel brauchen eine Heimat. Der Rentenbereich ist wenig attraktiv. Als sicher angesehene Staatspapiere bringen kaum Renditen. Also wird das Geld in die Aktienmärkte fließen. Außerdem sind viele große Fonds immer noch nicht im Aktienbereich übergewichtet. Sie müssen den anziehenden Märkten nun folgen und in Dividendenpapiere umschichten, was für weiteres Aufwärtspotenzial für Aktien sorgt.

Meine Empfehlung: mindestens zehn Prozent Aktien ins Depot. Untersuchungen zeigen, dass bei einem kleineren Anteil die Risiken im Portfolio schlechter gestreut werden. In der Regel würde ich Investmentfonds den Vorzug vor der Direktanlage in Einzeltiteln geben. Tipp Nummer zwei mit Blick auf den aktuellen Dax: Steigen Sie, wenn möglich, in monatlichen Raten ein. So können Sie von Marktschwankungen profitieren, indem Sie den durchschnittlichen Kaufkurs senken.

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