• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Sinken die Zinsen noch weiter?

An Claus-Günther Richardt

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen im Euro-Raum unlängst auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,75 Prozent belassen, gleichzeitig aber vor konjunkturellen Risiken gewarnt. Müssen deutsche Sparer mit weiter sinkenden Zinsen rechnen? Oder geht es mit den Zinsen im Jahresverlauf wieder bergauf?

Zinserhöhungen werden die Währungshüter auf absehbare Zeit kaum in Betracht ziehen. Zwar ist der Leitzins von Deutschland aus gesehen zu niedrig. Aber die Europäische Zentralbank hat ihre Geldpolitik auf den gesamten Währungsraum auszurichten. Hier bleibt die wirtschaftliche Lage schwierig und die Inflationsgefahr sowohl im Euro-Raum als auch in Deutschland niedrig. Derzeit schwächt sie sich sogar noch etwas ab.

Eine weitere Leitzinssenkung halte ich angesichts des mit 0,75 Prozent bereits sehr niedrigen Zinsniveaus aber auch nicht für wahrscheinlich. Denn die EZB muss auch darauf achten, zu welchen Bedingungen die bereits mehr als reichlich vorhandene Liquidität wieder aus dem Markt herausgenommen werden kann. Dies tun die im Euro-System verbundenen nationalen Zentralbanken über die sogenannte Einlagenfazilität. Und deren Verzinsung war bereits Mitte vergangenen Jahres auf null zurückgeführt worden. Ohne das Experiment negativer Nominalzinsen – was wir uns nicht wirklich wünschen – ist hier also keine weitere Bewegung nach unten mehr möglich.

Diese Marktgegebenheiten sorgen zugleich dafür, dass die Einlagenkonditionen seit geraumer Zeit unter dem EZB- Satz von 0,75 Prozent verharren. Immerhin fällt dieser Rückstand in den Tagesgeldkonditionen in Deutschland mit zuletzt einem Viertelprozentpunkt kleiner aus als in den meisten anderen Euro- Mitgliedstaaten. Der Trend weist allerdings auch hier weiter nach unten. Das bedeutet, auch ohne weitere Leitzinssenkung können die Tagesgeldzinsen noch einmal fallen.

Deshalb mein Rat: Nutzen Sie solche Einlagen lediglich zum Parken von Liquidität oder als Notgroschen für ungeplante Ausgaben. Denn unter Berücksichtigung der Inflationsrate bleibt die reale Verzinsung von Tagesgeldern und Sparbüchern negativ. Für die langfristige Vermögensanlage empfehle ich einen zur individuellen Anlegermentalität passenden Mix verschiedener Wertpapiere – hierzu gehört auch eine moderate Beimischung von Aktien. Studien belegen, dass ein zehnprozentiger Aktienanteil die Risikostreuung eines Portfolios sogar verbessert, was mehr Rendite bei weniger Risiko bedeutet. Zudem sehen fast alle Chefanalysten im Jahresverlauf einen schwankungsanfälligen, aber insgesamt steigenden Dax.

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