• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Mehr Ertrag trotz Niedrigzinsen?

An Claus-Günther Richardt

Die Zinsen bleiben auf extrem niedrigen Niveau, so dass nach Abzug der Inflation von 1,5 Prozent kaum eine Rendite übrig bleibt. Welche festverzinslichen Anlagen empfehlen Sie?

Nach der letzten Leitzinssenkung im Mai kann man über den Sinn verzinslicher Anlagen schon ins Grübeln kommen. Die Konditionen für Tagesgeldkonten und Sparbücher rangieren nur noch hauchdünn jenseits einer Nullverzinsung. Hier sollten Anleger nur noch kurzfristig benötigte Liquidität parken beziehungsweise den berühmten Notgroschen in Höhe von zwei bis drei Netto-Monatsgehältern zurücklegen.

Nicht viel rosiger sieht es für mittel- bis längerfristige Anlagen in fest oder variabel verzinsliche Wertpapiere aus. Eine mögliche Wende in der US-Geldpolitik belastet aktuell die Anleihemärkte weltweit. Für bestehende Engagements in klassischen Staatsanleihen können eventuelle weitere Renditeanstiege Kursrisiken bergen. Für Bundesanleihen sehe ich daher erst bei Renditen in Richtung 1,60 Prozent wieder Kaufgelegenheiten.

Chancen bieten sich hingegen derzeit bei Staatsanleihen in der Peripherie. Italienische Staatsbonds mittlerer Laufzeit weisen beispielsweise ein gutes Chance- Risikoprofil auf. Weiterhin attraktiv ist eine Beimischung von Euro- Hochzinsanleihen mit hohen Zinskupons bei niedrigen Ausfallraten. Last but not least zählen Schwellenländeranleihen schon seit geraumer Zeit zu meinen Anlagefavoriten. Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in vielen Schwellenländern sind mittlerweile deutlich stabiler als in den entwickelten Industriestaaten. Im laufenden Jahr haben diese Anleihemärkte allerdings Federn lassen müssen. Die gestiegenen Renditen von US-Staatsanleihen haben verstärkt Investorengelder angezogen.

Der befürchtete Entzug von Liquidität durch die amerikanische Notenbank hat zu Nervosität an den Kapitalmärkten geführt. Bis zur Klärung der Situation in den USA rate ich deshalb hier noch zur Zurückhaltung. Weitere Kursrückgänge würde ich aber als Kaufgelegenheiten nutzen. Denn auf mittlere Sicht rechne ich damit, dass Schwellenländeranleihen neben den immer noch stattlichen hohen Kupons auch signifikante Kursanstiege erzielen werden.

Sie sehen, die Welt der festverzinslichen Anlagen ist sehr vielfältig und bietet auch in Niedrigzinsphasen Chancen auf Mehrerträge. Allerdings sind sie für Privatanleger auch schwer überschaubar. Die Komplexität der Finanzmärkte verlangt ein professionelles und flexibles Management. Investieren Sie daher in Fonds oder Zertifikate, hinter denen Fachleute mit hoher Expertise stehen.

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