• ANLEGER Frage: An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

ANLEGER Frage : An Claus-Günther Richardt Leiter des Bereichs Vermögensanlagen bei der Berliner Sparkasse

Hat Riester ausgedient?

An Claus-Günther Richardt

Erstmals seit Einführung der Riester-Rente ist die Zahl der Anträge rückläufig. Hat Riester ausgedient oder für wen lohnt sich die staatlich geförderte Rente eigentlich noch?

Ob sich eine Riester-Rente für den Einzelnen lohnt, lässt sich mit der individuellen Förderquote errechnen. Jeder Riestersparer erhält vom Staat eine jährliche Grundzulage von 154 Euro, pro Kind gibt es noch mal 185 Euro. Für jedes ab 2008 geborene Kind erhöht sich die Zulage auf 300 Euro. So kann man den Staat mit durchschnittlich 40 Prozent an den Beiträgen beteiligen.

Die Zeitspanne bis zum Zahlungsbeginn der gesetzlichen Altersversorgung sollte möglichst mehr als zwölf Jahre betragen. Bei einer längeren Laufzeit kann der Zinseszinseffekt die angesparte Summe beträchtlich erhöhen.

Grundsätzlich ist die Riester-Rente damit für jeden geeignet, der per Gesetz förderfähig ist. Dazu zählen Arbeitnehmer, Beamte und alle, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Einen Riester-Vertrag kann aber auch der Ehepartner eines Förderberechtigten abschließen, selbst wenn er keine eigenen Einkünfte hat oder selbstständig ist.

In der Branche geht man übrigens davon aus, dass rund 40 Millionen Deutsche „riestern“ könnten. Bisher gibt es rund 15,6 Millionen Verträge. Die meisten davon wurden zwischen 2005 und 2010 abgeschlossen. Inzwischen wachsen die Antragszahlen relativ langsam. Ein Grund dafür liegt sicherlich in der derzeitig niedrigen Verzinsung. Allerdings trifft dies nicht nur auf Versicherungen, sondern auf alle risikoarmen Anlageprodukte zu und ist eine Folge der aktuellen Geldpolitik der EZB. Nicht alle Kritikpunkte an Riester sind aus meiner Sicht unberechtigt. Von der Komplexität des Produkts fühlen sich sicherlich viele Interessenten überfordert.

Verbraucher sollten sich nicht verunsichern, sondern individuell beraten lassen. Erstens gibt es noch andere Produkte, mit denen man für das Alter vorsorgen kann. Zweitens können Sie eine staatliche Riester-Förderung auch für Bausparen oder Sparpläne in Anspruch nehmen. Wichtig ist, dass Sie Ihren Lebensstandard sichern, die gesetzliche Rente allein reicht definitiv nicht. Im Alter sind Sie vielleicht auf jeden zusätzlichen Euro angewiesen.

Übrigens: Die vor zwei Wochen verbreitete Meldung, dass die Zahl der Riester-Renten rückläufig sei, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Folge einer fehlerhaften Datenübermittlung. Eine große Fondsgesellschaft hatte versehentlich rund 30 000 Verträge nicht an das Bundesarbeitsministerium gemeldet.

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