ANLEGER Frage : An Eva Bell Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin

Kein Kredit ohne Bonitätsauskunft?

An Eva Bell

Ich brauche dringend Geld. Mehrere Anbieter werben derzeit mit Schufa-freien Krediten, bei denen die Bonität nicht überprüft wird. Wie seriös sind solche Angebote? Wo liegen die Risiken?

Die Werbeanzeigen sind verlockend: Blitzkredit – diskret und stressfrei, tägliche Auszahlung und ohne Vorkosten. Und natürlich ohne eine Auskunft zur Zahlungsfähigkeit des Kunden einzuholen. Das hört sich schnell und unkompliziert an. Hinter diesen Kleinanzeigen in Zeitungen und vermehrt auch im Internet verbirgt sich in Wirklichkeit ein besonders abstoßendes Geschäft mit der Armut. Denn die Inserate verstecken echte Kostenfallen. Nach einer Untersuchung der Kreditauskunftei Schufa liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kredit tatsächlich vermittelt und ausgezahlt wird, nur bei winzigen zwei Prozent.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Verbraucherdaten zwar weitergeleitet werden, aber die Bank nach einer Bonitätsprüfung kein Darlehen gewährt. Der Vermittler versucht dennoch eine Provision zu kassieren oder möchte seine angeblichen Auslagen erstattet haben. Zu Unrecht.

Denn nur bei einer erfolgreichen Vermittlung darf eine Provision berechnet werden. Der Verbraucher ist zur Zahlung der Vergütung nur verpflichtet, wenn infolge der Vermittlung das Darlehen an den Verbraucher geleistet wird und ein Widerruf nicht mehr möglich ist.

Häufig wird die Provision getarnt. Der Kreditvermittler verlangt die Erstattung seiner Kosten statt einer Vermittlungsgebühr. Auch hier gilt: ohne Vermittlung kein Anspruch. Bei einer erfolgreichen Vermittlung muss es sich bei den in Rechnung gestellten Kosten um echte Auslagen handeln. Sie müssen ausdrücklich vorher vertraglich vereinbart sein und der Vermittler hat sie nachzuweisen. Alles andere ist unzulässig. Die fast immer geforderten Kosten für Kundenfahrten sind ebenso wenig akzeptabel wie ein pauschalierter Aufwendungsersatz. Auch der Trick mit dem entgangenen Gewinn, wenn der Kreditvertrag nicht zustande kommt, zieht nicht.

Vorsicht ist besonders vor den Nebengeschäften geboten. Denn statt des gewünschten Darlehens werden Verbrauchern oftmals andere Verträge wie Unfallversicherungen oder Bausparverträge untergeschoben. Wer sich im Zuge eines vergeblichen Kreditvermittlungsversuchs falsch beraten oder sogar arglistig getäuscht fühlt, sollte bei der Verbraucherzentrale Rat suchen. Auch eine Strafanzeige kommt in Betracht. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist in Berlin mit 356 Fällen im Jahr 2012 einen sprunghaften Anstieg von Kreditvermittlungsbetrug auf. In den Jahren zuvor waren es nur um die 70 Fälle jährlich.

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