ANLEGER Frage : An Eva Bell Geschäftsführerin der Verbraucherzentrale Berlin

Hohe Dispozinsen hinnehmen?

An Eva Bell

Für eine Überziehung meines Girokontos verlangt meine Bank elf Prozent Dispozinsen. Muss ich das hinnehmen?

Trotz extrem günstiger Beschaffungsmöglichkeiten stellen die Geldinstitute in Berlin ihren Kunden aktuell Dispozinsen von bis zu zwölf Prozent in Rechnung. Das ist vor allem deshalb kaum zu glauben, weil Banken und Sparkassen sich das Geld bei der Europäischen Zentralbank momentan so billig wie nie für nur 0,5 Prozent Zinsen leihen können.

Alle Institute müssen gleichermaßen kalkulieren und für nicht abgerufene Kredite Eigenkapital- und Liquiditätskosten veranschlagen. Nicht selten ziehen Banken aber einen hohen Nutzen aus den Engpässen ihrer Kunden und dem fehlenden Wettbewerb. Die Geschäftspolitik der Banken bei Dispokrediten wird daher zunehmend zum Indikator für die Kundenfreundlichkeit eines Geldhauses. Bei der Berechnung der Zinsen sind bisher kaum rechtliche Vorgaben zu erfüllen. Eine Regulierung der Zinshöhe durch Obergrenzen oder ein marktrelevantes Benchmarksystem wird deshalb verbraucherpolitisch heiß diskutiert.

Am Standort Berlin ist die Konkurrenz der Geldinstitute groß. Hier sind Zinsangebote schon unter fünf Prozent zu finden. Was den Preisvergleich für die Kunden allerdings erschwert: Viele Institute nennen die Zinshöhe nicht und verstoßen damit gegen die Preisangabeverordnung. Speziell im Internet sucht man Informationen vergeblich. Hier hilft nur nachfragen. Denn es gilt: Weist der Preisaushang elf Prozent Zinsen aus, kann der Kunde im Nachhinein nicht reklamieren.

Bankkunden sollten ihr Konto nur mit kleinen Beträgen überziehen und den Disporahmen nur kurzfristig in Anspruch nehmen. Als Faustregel gilt: Mindestens die Hälfte des Jahres sollte das Girokonto im Plus stehen, sonst wird das Konto zur Schuldenfalle. Einen längerfristigen Kreditbedarf deckt man besser über einen Raten- oder Abrufkredit. Achtung bei Überschreitung des zugesagten Kreditrahmens: Wer noch weiter ins Minus rutscht, zahlt noch einmal drei bis sechs Prozentpunkte mehr für die sogenannte geduldete Überziehung. Um aus der Misere herauszukommen, kann mit der Bank über Sonderkonditionen, einen Ratenplan für den Abbau des Dispokredits und die Umschuldung in einen Ratenkredit verhandelt werden.

Wer weitere Unterstützung bei seinem Schuldenproblem benötigt, kann professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen helfen seriös und kostenlos bei der Erstellung von Sanierungsplänen und führen Verhandlungen mit Gläubigern.

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