ANLEGER Frage : An Malte Diesselhorst Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

Wie sicher sind Anleihen?

An Malte Diesselhorst

Ob Alba, Air Berlin oder Valensina: Immer mehr Firmen bringen Unternehmensanleihen auf den Markt. Im Durchschnitt sind sie doppelt so hoch verzinst wie Bundesanleihen. Sind sie auch sicher? Wo liegen die Risiken und worauf muss ich achten?

Mit 8,25 Prozent Zinskupon im Fall Air Berlin oder knapp 7,4 Prozent bei Valensina sind die aktuellen Unternehmensanleihen für private und institutionelle Anleger so attraktiv, dass nicht alle Interessenten bei den Emissionen berücksichtigt werden konnten. Allerdings: eine im Vergleich zum allgemeinen Zinsniveau hohe Verzinsung ist nicht ohne Risiko zu haben.

Offensichtlich ist das Bonitätsrisiko: für die Rückzahlung der Anleihe am Ende der Laufzeit haftet nur das Unternehmen. In der Insolvenz gehen Anleihegläubiger weitgehend leer aus. Eine Einlagensicherung gibt es nicht. Dieses Ausfallrisiko ist Privatanlegern meist bewusst und wird für eine bessere Verzinsung hingenommen. Hinweise auf die Bonität geben die Ratings zum Emittenten und zu der jeweiligen Anleihe, die über die Bank erfragt werden können.

Andere Risiken werden oft weniger beachtet, sollten aber in eine ausgewogene Anlageentscheidung einfließen. Vor allem das Zinsrisiko hat für den Wert der Anleihe Bedeutung. Steigt der allgemeine Marktzins, so fällt der Wert der Anleihe. Auch Inflation hat zur Folge, dass der tatsächliche Wert der zukünftigen Zinszahlungen und damit der Wert der Anleihe über die Laufzeit sinkt. Gerade in einer Phase steigender Zinsen und möglicherweise höherer Inflation während der Laufzeit liegt hier eine Gefahr. Negative Unternehmensentwicklungen, eine ansteigende Verschuldung, schlechte Geschäftszahlen oder eine schlechte Branchenkonjunktur können zu erheblichen Kursabschlägen bei der Anleihe führen. Der Verkauf vor Laufzeitende ist dann nur mit Verlust möglich. Und er setzt voraus, dass der Markt ausreichend liquide ist, die Anleihe also auch gehandelt wird, was bei kleineren Unternehmensanleihen nicht mit Sicherheit angenommen werden kann.

Achten sollten Anleger schließlich auf besondere Bedingungen der Anleihe. Einseitige Kündigungsrechte des Unternehmens, das Recht zur Wandlung der Anleihe in Aktien, eine Nachrangigkeit der Anleihe, Zinszahlungszeitpunkte oder andere Regelungen beeinflussen das Risiko und den Wert.

Liquide, also viel gehandelte Anleihen können auch nach der Emission über die Börse gekauft werden. Die Rendite, die vom Kurs, der Verzinsung und der Laufzeit abhängt, gibt auch Anhaltspunkte zum Risiko: Eine höhere Rendite wird mit einem höheren Risiko erkauft.

– Haben Sie auch eine Frage?

 Dann schreiben Sie uns:

E-Mail:

Redaktion.Geld@tagesspiegel.de

Postanschrift: Verlag Der Tagesspiegel,

Redaktion Geld, 10876 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar